Freitag, 14. November 2014

La Habana

Ein Taxi bringt uns nach Havanna, und braucht ewig, bis es die Adresse unserer Unterkunft findet. Wir sind bei einer älteren Dame namens Nery untergebracht, die leider einen Dialekt spricht (oder einfach ganz schlimm nuschelt?), den wir ganz und gar nicht verstehen. Also, wirklich gar nicht. Damit es aber fair bleibt, versteht auch sie unser rudimentäres Spanisch nicht. Wenn wir also zum Beispiel nach den Schlüsseln für die Wohnung fragen, versteht sie, dass wir Handtücher brauchen (möglicherweise), worauf sie uns antwortet, dass das Wetter morgen gut werden wird (verstehen zumindest wir). Naja. Ein zweiter Gast von Nery, ein deutscher Reisejournalist, gibt uns ein paar sehr hilfreiche Tips zum öffentlichen Nahverkehr in La Habana, und so ausgerüstet machen wir uns auf den Weg. Erst am Malecon entlang, dann irgendwann, als es zu nieseln beginnt, in die Gassen und Sträßchen hinein. Wir finden zwar noch ein paar Hotels, darunter auch das Nacional, aber Internetzugang gibts derzeit gerade bei keinem.
Nur kurze Zeit später haben wir uns hoffnungslos verlaufen. Von der eigentlichen Altstadt sehen wir noch nichts, aber in der Dämmerung gelingt es uns dann schließlich, ein Taxi Colectivo in die richtige Richtung anzuhalten. Ja, es ist ein tuckerndes Ungetüm aus den 50ern. Wir freuen uns.
Zufällig geraten wir auch in diese Bar. Einer der Musiker ist der Sohn vom Schwager von Compay Segundo, oder so. Jedenfalls sind die Jungs wirklich gut. Die Cocktails leider nicht.
Am nächsten Tag nehmen wir gleich so ein Colectivo in die Altstadt, und schlendern dort ziellos herum. Mehr Touristen, auch mehr restaurierte Gebäude gibts hier, aber dann, nur eine Ecke weiter, findet man sich zwischen den selben Prunkbauen wieder, nur dass die hier seit sicher hundert Jahren nicht mehr saniert wurden. Dafür gibts Kaffee für 0.04 CUC und Brötchen mit frittiertem Fisch um 0.40 CUC. (Und die Panade hat so einen leichten Hauch von Limette und Ingwer.. echt gut!)
Vorher bzw. "In Arbeit". Überall wird gebaut, restauriert, Straßen aufgerissen. Und trotzdem geht das Leben in La Habana ganz ruhig weiter.

Nachher: Alles hübsch gemacht, doppelt so viele Touristen und verzehnfachte Preise. Aber zum Glück noch ohne Starbucks. Im Hintergrund dafür das Capitolio, das auch gerade restauriert wird.

Am nächsten Tag treffen wir uns auch noch mit David, einem Couchsurfer in Havanna, der uns schon einen Haufen Tips gegeben hat, und uns auch sein Zelt leiht (das brauchen wir für Las Terrazas, siehe unten.) Er freut sich sehr über unsere mitgebrachten Holzschrauben und Schrauben-Bits, und lädt uns gleich noch zum Abendessen ein. Ich freue mich, dass ich die Schrauben nicht mehr mitschleppen muss, und übers Abendessen.

Das Abendessen wartet mit allen cubanischen Leckereien auf. Frittierte Patatas (also Kochbananen), Malanga-Laibchen, die sehr ähnlich wie Kartoffelpuffer schmecken, natürlich Reis mit schwarzen Bohnen, eine undefinierbare aber leckere Fleischpaste, und eine ganz großartige Suppe dazu. Dazu wird der beste Mojito gereicht, der mir seit langem untergekommen ist.
Nicht nur wir sind eingeladen, sondern auch Davids gesamt Familie, weil er selbst spontan am nächsten Tag nach London fliegt. Wir üben ein bisschen unser Spanisch, aber gehen relativ früh nach Hause, weil Hannah irgendetwas, was wir tagsüber gegessen haben, schlecht verträgt. (Von dem "Cook it, peel it, or forget it"-Prinzip sind wir übrigens schon lange abgegangen, und bis auf diesen kleinen, milden Zwischenfall ist uns noch nichts Übles zugestoßen.)

Ich hab die Photos aus Havanna übrigens nicht heruntergeladen. Wir waren wirklich dort. Eine freundliche Touristin, die uns anspricht, ob wir sie und ihren Ehegatten photographieren könnten ("I never dare to ask locals.. you never know...") bietet an, auch von uns beiden eines zu schießen.

Donnerstag, 13. November 2014

Trinidad

Next stop: Trinidad. This time our hosts have gone so far as to organizing a Bici-Taxi to pick us up from the bus stop and deliver us (and our considerable luggage) to the Case Particular.
The owners are really nice, but a bit overprotective. According to them, we should not eat in random place in the street for risk of diarrhoea, don't have random fruit from the stalls in the street for risk of diarrhoea, and not drink the tap water for, surprise, the same reason. The solution would be to have breakfast and dinner in their Casa Particular, and drink (and pay for) the bottled water from their fridge.
Of course, we nod, smile, and proceed to ignore all their advice. We enjoyed ourselves tremendously.

Trinidad itself is, by modern standards, a really small town. But it's one of the best preserved towns in all the Caribbean  from the good old sugar-trade times. In the centre, there really are hardly any modern buildings, just nicely restored collonial houses.
View over the roofs of Trinidad. I guess it looked pretty much the same 50 or even 100 years ago. Maybe less people offering "Horseback riding!", but thankfully you can't see them from up here.
Of course, a lot of travellers apart from us are aware of this as well, and the local population as well. It was definitely the most touristic town we've seen in Cuba, with someone jumping at us and yelling "Taxi?!", "Horseback riding?!" or "Restaurant? Nice Restuarant!" every few metres.
But still, this is Cuba, so a brief "No, gracias." did the trick. Of the many things a tourist can do in this city, we just did the Museo Nacional de la Luche Contra Bandidos ("Museum of the Fight against the Bandits", where "Bandits" means "people opposed to the socialist revolution".) and the Casa de la Musica (Yes, the Cubaniest live music possible. We couldn't quite figure out if is existed only for the visiting people with lots of cash, or if it was actually a local thing.. the audience was really mixed.

Exhibits like this (Russian truck used to transport good guys) and many others (guns used by bad guys, motorboat used by bad guys, hairbrush used by good guy, etc.) didn't impress us too much. And our Spanish wasn't good enough to read the letters on display from Fidel, Ché, and his even more sympathetic sidekick, Camilo Cienfuegos.


And, of course, we did a trip to the Playa Ancon close by, in a Coco Taxi (invented in India, designed in Italy, and built in Cuba.). And we traded my fins for two Coco Locos (which are fresh coco nuts, with rum, sugar and lime poured into them. All of those ingredients are cheap and abundant in Cuba, so a wonderful invention.)
From left to right: Donat (with turquoise sunglasses), Coco Loco, Coco Loco, and Hannah (with turquoise sunglasses).

The museums of local history and architecture were, unfortunately, closed when we tried to visit them. Reason: Heavy rain. The schools stayed closed that day as well.
Me, colonial veranda, and lots of rain. The rain isn't really visible in the photo, but believe me, there was a lot.

Sonntag, 9. November 2014

Cienfuegos

Wir werden am Busbahnhof abgeholt, von einem vermutlich Angestellten vom dortigen Casa Particular. (Das hat übrigens unser Vermieter für uns reserviert. Es sind nämlich offenbar sämtliche Betreiber von Privatunterkünften auf ganz Cuba perfekt miteinander vernetzt.)

Kolonialer Prunk, und dank der eifrig zahlenden Touristen hübsch renoviert.
Die Unterkunft hier ist in einem noch imposanteren Kolonialhaus, aber wir schmeißen trotzdem nur unsere Taschen ins Zimmer, und spazieren auf den Malecon (die Uferpromenade), wo wir endlich endlich unser erstes Cola mit Rum trinken können. Schmeckt nur leider nicht sonderlich, liegt vermutlich an den Chlor-Eiswürfeln. Wir sind aber lernfähig, kaufen uns eine Flasche Rum (selbstverständlich aus der stadteigenen Destillerie), drei Dosen Cola dazu, und sind dann sehr zufrieden.
Der Malecon von Cienfuegos - Hinter dem Photographen wird gerade Rum in einen Becher ausgeschenkt.

Am nächsten Tag wandern wir auf den Stadtplatz, und lassen uns dann von einem recht hartnäckigen Kutscher dazu überreden, uns zur Punta Gorda bringen zu lassen. Pferdekutschen sind hier übrigens sehr verbreitet Fortbewegungsmittel, nicht nur für Touristen, sondern sogar überwiegend für die Einheimischen und deren zu transportierendes Zeugs.
Stadtplatz von Cienfuegos mit zwei Vertretern der Cuba-typischen Autos: Lada oder 50er-Spaceship

Holperige Sache, aber war besser als bei stechender Sonne die 3 km zu latschen. Aber das Pferd hat mir sehr leid getan.

Auf der Punta Gorda, ganz am Ende des Malecons, hat sich ein Zuckerbaron ein kleines Schloss gebaut, komplett im "maurischen Stil". Inzwischen ist das Gebäude natürlich in Staatsbesitz, und drinnen befindet sich ein Restaurant, sowie ein Café auf der Dachterasse.
Zuckerplantagen und Sklavenarbeit haben sich halt doch ausgezahlt.

Ein sehr freundlicher (und englisch-sprechender) Bici-Taxi-Fahrer kutschiert uns dort in der Gegend herum, erzählt uns die Geschichten der Prunkbauten, bringt uns in einen Park, in dem es einen Pavillion gibt, dessen Mojitos "die Besten der ganzen Stadt sind", und wartet sogar, um uns nach genossenem Getränk wieder in die Stadt zu radeln.
Mojito und Zitronensorbet. Dazwischen am Horizont eine Gemeinsamkeit von Cuba mit Österreich: ein fertiggestelltes, aber nie in Betrieb gegangenes Atomkraftwerk.
Ich und Benny Moré, berühmtester Musiker von Cienfuegos. Eigentlich wollte ich ihm ja den Arm über die Schulter legen, aber dabei hab ich mich ein wenig verbrannt. Ja, es ist sonnig und heiß.

Er erzählt auch ein bisschen von sich, und der täglichen Realität eines Cubaners.. Früher war er nämlich Geschichtelehrer. Sein Monatslohn betrug da 12 CUC (also etwa 10 Euro). Wie man davon lebt? Es geht schon. Jede Cubanerin und jeder Cubaner bekommt nämlich Essenmarken für Reis, Bohnen, Zucker, Brot und Eier. Kinder bekommen zusätzlich noch Milchrationen. Prinzipiell alle Familien besitzen ein eigenes Haus (es ist sogar verboten, mehr als einen Hauptwohnsitz sowie eine Ferienwohnung zu besitzen), als fällt schon mal die Miete weg. Gas zum Kochen, Elektrizität und Wasser sind so stark subventioniert, dass es praktisch nichts kostst. Jeder cubanische Staatsbürger hat darüberhinaus ein Recht auf freie Bildung, medizinische Versorgung sowie eine Rente (ab wann, hab ich leider nicht herausgefunden.)

Trotzdem:

Eine Avocado: 0.2 CUC, das wenige Gemüse, das es gibt, etwa auch so viel.
Eine Pizza auf der Straße kostet 0.3 CUC
Eine kleine Flasche Bier: 1 CUC.
Eine Flasche Trinkwasser: 1.5 CUC.
Das günstigst Essen in einem Restaurant, das wir gefunden haben: 2 CUC.
Eine Minute mit dem Handy telefonieren: 2 CUC
Eine Flasche Milch: 3 CUC
Eine Stunde Internet: wie schon erwähnt 5 CUC.
Eine Waschmaschine: 50 CUC (aber das hat nichts damit zu tun, was man bei uns so nennt..)
Ein Kühlschrank: 200 CUC (2 Jahresgehälter!)

Man kann also davon leben, aber nicht gut. Unser Bici-Taxi-Fahrer hat deshalb das Geld zusammengespart, um eine Touristen-Lizenz zu erwerben. Jetzt bezahlt er monatlich 10 CUC für diese Lizenz, zusätzlich 8 CUC für die Pensionskasse, und noch ein paar andere Steuern..
Der ehemalige Geschichtelehrer, jetzt im Touristen-Business, zahlt also genug Abgaben, um zwei staatliche Lehrer zu finanzieren.. und lebt selbst weit besser davon als zuvor. Er freut sich zwar, dass er jetzt ein eigenes Haus hat, und nicht mehr mit seiner Frau und seiner Tochter bei seinen eigenen Eltern daheim wohnen muss, aber gut findet er das System nicht. Wir sind auch ganz schön schockiert.

Samstag, 8. November 2014

Lautgedicht der Kölner Stadtteile

Die Idee hierfür ist mir schon gekommen, wie ich das erste Mal in Köln war. Mit etwas Verspätung:

Colonia.

Blumenberg Bayenthal,
Finkenberg Raderthal,
Höhenberg Klettenberg Deutz!

Braunsfeld Bocklemünd/Mengenich Merkenich Meschenich.
Ensen Grengel Bickendorf!

Mauenheim Merheim Mülheim Ostheim - Pesch!

Vogelsang:
Zündorf Widdersdorf Junkersdorf Müngersdorf,
Heimersdorf Roggendorf/Thenhoven Rondorf Gremberghoven
Westhoven Elsdorf Ossendorf - Godorf!

Weiß:
Altstadt-Nord. Neustadt-Nord. Altstadt-Süd - Neustadt-Süd. Vingst!
Humboldt/Gremberg Worringen Immendorf Holweide
Hahnwald Esch/Auweiler Volkhoven/Weiler.
Raderberg Seeberg.

Marienburg - Flittard!

Dellbrück Neubrück Rath/Heumar.
Fühlingen: Buchforst Buchheim; Dünnwald.

Ehrenfeld Neuehrenfeld Chorweiler - Bilderstöckchen.

Rodenkirchen Höhenhaus. Urbach. Sürth.

Lindenthal Lind Lindweiler Longerich Lövenich
Stammheim Wahn! Wahnheide!
Weidenpesch Weiden Langel Libur Eil - Riehl!

Brück Poll Porz Sülz!
Niehl Nippes Zollstock Kalk.

Matanzas, Cuba


Köln verabschiedet uns mit Regen, Elke und Thomas mit ein paar unterdrückten Tränen. Hannah unterdrückt die Tränen nicht. Ohne kaltherzig klingen zu wollen: Ein anderes Thema drängt sich in den Vordergrund meines derzeitigen Denkens: Varadero. Nein, es geht nicht um den angeblich wirklich traumhaften Strand oder die unendlichen Touristen-Resorts, die dort stehen, sondern unser Zielflughafen.

Seit etwa drei Monaten sind wir überzeugt davon, in Holguin zu landen, also im Osten von Cuba. Jetzt haben wir die ausgedruckten Check-In-Zettel vor uns, und hier steht: Frankfurt - Varadero.
Ein Fehler der Fluggesellschaft? Nein. Wir haben seit drei Monaten tatsächlich darüber hinweggelesen. Warum? Weiß der Geier. Aber Hostel-Buchungen usw. haben wir natürlich auch für Holguin, nicht für Varadero. Das macht mich etwas unrund. Am Flughafen verwende ich den Restakku des Laptops noch schnell dazu, eine kurze Recherche nach möglichen Unterkunftsorten durchzuführen. Nicht so einfach, aber es kommen die Städte Varadero, Matanzas und Cárdenas in Frage. Na gut.

So kommen wir nach 11 Stunden Flug in Varadero an, etwa 9 Uhr abends. Öffentliche Busse gibts keine mehr, dafür viel Hitze und Taxifahrer. Und ja, natürlich kennt der Taxifahrer Casas Particulares (wie die privaten Unterkünfte hier heißen) in Varadero, und auch in Matanzas. Wir entscheiden uns für Matanzas.

Wir residieren bei Roberto und Margarita, die in einem hübschen Kolonialbau aus dem 18. Jahrhundert wohnen. Die Pensionsgäste sind im Trakt mit den ehemaligen Pferdeställen untergebracht. Und der Jetlag lässt uns wunderbar und lange schlafen, nur der antiquierte Kühlschrank in der Ecke rasselt, schnauft und grunzt nächtens manchmal ein bisschen unheimlich.

Den nächsten Tag nutzen wir dazu, um durch die Stadt zu spazieren, den Plaza Central zu besichtigen, sowie im Hotel Velasco "kurz" in Internet zu gehen, um mal ein Lebenszeichen abzugeben.
Internet. Ein spannender Vorgang in Cuba. Der Rezeptionist informiert uns, dass wir eine Karte bei ihm kaufen könnten, die 5 CUC (Pesos Cubanos Convertibles, 1 CUC sind etwa 0.80 EUR) kostet. Für eine Stunde. Aber er hat gerade keine Karten da, also müssten wir sowieso warten.
Leicht schockiert wandern wir weiter, um beim offiziellen, staatlichen "Internetcafé" nochmal zu fragen. Tatsächlich, der gleiche Preis. Und auch grad keine Karten. Aber zusätzlich noch eine Schlange von gefühlten zehntausend Leuten.
Na gut. Also doch zurück zum Hotel, wo man beim Warten zumindest sitzen kann. Wir zahlen die 5 CUC, setzen ein minimalistisches Email ab, und sparen uns die restliche halbe Stunde für einen anderen Tag auf. (Ja, die Verbindung ist nicht nur teuer, sondern auch langsam.)

Kein Museum, sondern tatsächlich das Feuerwehrhaus von Matanzas
Che ist überall. Wirklich überall. Der Revolutionär als Systemerhalter (und Zierelement).


Dann packen wir unsere Siebensachen, finden im Ort den Platz, an dem die "Taxis Collectivos" abfahren, ähnlich wie die "Dolmuş" in der Türkei. Mit dem Unterschied, dass hier die Collectivos monströse, umgebaute Lastwägen aus den 50ern sind, dicke Abgas-spuckende Chevys oder Buicks oder wie auch immer diese uralten amerikanischen Gefährte heißen.
Um 1 CUC pro Person befördert uns der Fahrer zum Strand von Varadero. Noch dazu dürfen wir in der Führerkabine beim ihm sitzen, während die etwa 30 Beförderten auf den Bänken der überdachten Ladefläche herumschaukeln. Und er unterhält sich mit uns auf Spanisch-für-Idioten, wofür wir ihm aufrichtig dankbar sind. Das ist momentan genau unser Sprachniveau!

Als der Tacho aufgehört hat zu funktionieren, hatte der Wagen 600.000 Meilen drauf. Wieviele Jahre das her ist, weiß ich leider nicht.
Der Strand von Varadero. Was soll ich sagen. Wir steigen an einer Stelle aus, an der die Touristen-Dichte noch recht dünn ist, und wie soll ich den ersten Karibik-Strand beschreiben, an dem ich in meinem Leben bin? Paradiesisch triffts schon irgendwie.

Abends in Matanzas spricht uns auf der Straße ein Mann in einem ziemlich staubigen Arbeiteroverall an, der unterm Arm ein ziemlich mitgenommenes Buch trägt. Er freut sich sehr, dass wir deutsch sprechen, er nämlich auch.
"Ich bin sehr erfreut darüber, euch an diesem Ort anzutreffen, denn so kann ich mein Deutsch praktizieren. Wissen Sie, aus Langeweile habe ich begonnen, die deutsche Sprache zu erlernen, aus diesem Buch hier." Nach einigen Sätzen eilt er wieder weiter.
Den Titel des Buches konnte ich leider nicht entziffern, es dürft sich aber um ein älteres Werk handeln, dessen Sprache ein wenig altertümlich anmutete.

Am zweiten Tag machen wir einen Ausflug zum Rio Canimar. Wir versuchen hartnäckig, einen Wanderweg daran entlang zu finden, scheitern aber kläglich daran. Der Versuch macht trotzdem Spaß, so kommen wir mit viel Flora, Fauna und lokaler Bevölkerung in Kontakt.

Bootsverleih. Außerdem ists nicht mal ganz untergegangen.

Glubsch. Nachdem ich den ersten gefunden hab, sind sie mir überall aufgefallen.
Die hier hab ich allerdings erst gesehen, wie ich fast im Netz dringestanden bin.
Rio Canimar - Hübsche Aussicht auf Hannah und Ufer

Abends versuchen wir den Bahnhof von Matanzas zu finden. Der Vermieter unseres Zimmers rät zwar von einer Zugreise ab (langsam, und es soll schon mal vorkommen, dass der Zug auf der Strecke für ein paar Stunden liegenbleibt..), wir wollen uns aber trotzdem mal erkundigen. Ausgeschildert ist der Bahnhof jedenfalls nicht.
Nach etwa einer halben Stunde zielloser Wanderung treffen wir wieder den deutschsprechenden Literaten.

"Meine Freunde! Welche eine freudige Überraschung, euch wiederzutreffen! Aber welch Vorhaben führt euch in eine so abgeschiedene Gegend der Stadt?"

Er empfiehlt uns ein Bici-Taxi zu nehmen, also eine Rikscha, die er auch gleich für uns herbeiwinkt. Der Rikscha-Fahrer freut sich zwar über die 3 CUC die er bekommt, plagt sich dann aber über 30 Minuten (gefühlt war es noch viel länger..) entsetzlich, um uns zum Bahnhof zu bringen.

Das trostlose Gebäude liegt an einem fernen Stadtrand, die Halle ist gefüllt mit resigniert wirkenden Gestalten, die mit viel Gepäck alle verfügbaren Sitze belegen. In einem Eck des Gebäudes finden wir zwei Menschen, die so wirken, als wären sie irgendwie zuständig. Ein Zug? Ja, es gibt einen, nach Santa Clara. Heute? Nein, heute wahrscheinlich nicht mehr. Morgen? Ja, so zwischen 4 und 8 soll der fahren. Oder nein, vielleicht doch erst um 10. Oder 11. Ziemlich sicher.

Okay, dann vielleicht wirklich nicht mit dem Zug... Letzten Endes entscheiden wir uns doch für den Viazul-Bus. Das sind die ausschließlich für Touristen verfügbaren Fernbusse, die alle größeren Städte und Sehenswürdigkeiten anfahren. Wir überlegen kurz, und beschließen dann, nach Cienfuegos weiterzureisen. Quer durchs Land, an die Südküste von Cuba.

Auf dem Weg gibts eine viel zu kalte Klimaanlage, aber dafür Aussicht auf sich unterwegs langsam verändernde Landschaft.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Och wat wor dat schön doch en Colonia

Weitere zwei Wochen Verabschiedungen. Dieses Mal waren Hannahs Freunde und Familie dran, in diversen Örtlichkeiten und Zusammensetzungen

Angefangen haben wir mit einem Picknick mit Freunden bei strahlendem Sonnenschein im Friedenspark, gefolgt von mehreren Kölsch-Gläsern in der Lotta (kölsch: "inna Lodda"), einer der sympathischsten Kneipen, die ich bisher hier in Kölle kennengelernt habe.
(Außer Kölsch gibts dort auch Astra. Ausprobieren!)

Danach gabs noch
  • eine Wohnungseinweihungsfeier,
  • eine Möbel-von-der-alten-in-die-neue-Wohnung-tragen-Party,
  • ein Gerade-eingezogen-noch-alles-voll-Schachteln-Nachmittag,
  • mehrere Biere Abends mit Hannahs Freundinnen und Freunden in deren jeweiligen Domizilen,
  • einen großartigen Sauna-Besuch (ohne Freunde, nur Hannah), 
  • und mehrere gemütliche Spaziergänge am Rhein entlang.
Abgesehen von der Tatsache, dass es ein außerordentliches Vergnügen war, die ganzen lieben Leute wieder mal (oder zum Teil auch zum ersten Mal) zu treffen, fällt doch auf, dass die Kölner ein etwas eigenartiges Völkchen sind.

Sie sind sicherlich mit Abstand die lokalpatriotischsten Leute, die mir je untergekommen sind. Der Kölner Dom ist auf jede Fläche druckt, die sich in irgendeiner Form anbietet, das Bier ist sowieso nach der Stadt benannt, und es kann durchaus passieren, dass die Eingeborenen spontan anfangen, Lieder über Köln oder den Kölner Karnival zu singen!
Wenn man bedenkt, dass weder die Stadt sooo groß ist, noch dass der Karneval sich öfter als einmal pro Jahr zuträgt, gibt es davon eine unglaubliche Menge!

Ein weiteres Beispiel: Letzte Woche habe ich nach einer Postkarte mit dem Kölschen Grundgesetzt gesucht, die Auslage eines Buchgeschäfts durchgeguckt und musste zu meinem Erstaunen (fast schon Bestürzung) feststellen, dass sie nicht im Sortiment des Ladens war. Auf Nachfrage bei der Verkäuferin drinnen antwortet diese: "Nein, leider, die haben wir nicht." Dann fängt sie an wie ein Honigkuchenpferd zu strahlen und fügt hinzu: "Aber wir haben noch was viel besseres!" Und zückt das unsinnigste Stück Tand, das mir seit langem untergekommen ist:

Die Tuschmaschine.

Es handelt sich um eine kleine rote Plastikschachtel mit sechzehn Knöpfen, die jeweils mit einem Symbol versehen sind, die alle in irgendeinem Zusammenhang mit dem Kölner Karneval stehen. (Ein Kölsch-Glas, eine Tröte, eine Torte, eine Rakete, etc..) Wenn man einen der Knöpfe drückt, wird das entsprechende Geräusch abgespielt.

Und Hannah war fasziniert! Sie war genauso begeistert davon wie die Buchhändlerin, und hat dieses Unding sofort gekauft. Und es wird noch schlimmer: Ihre Mutter war genauso entzückt, und wie wir am nächsten Tag zu dem Geschäft zurückgekehrt sind, um auch ihr eines zu kaufen, waren diese grässlichen Dinger bis auf eines bereits ausverkauft!

Statt einer Erklärung der Geschehnisse wurde mir nur gesagt, dass ich in meinem Leben noch nicht genug Kölsch getrunken habe, um es zu verstehen. Ich bezweifle, dass das jemals der Fall sein wird...

Ein Tag noch, und wir haben alle Verabschiedungen hinter uns. Und sitzen im Flugzeug nach Kuba.


PS: Hannah hat mich überredet, doch ein Video von der Tuschmaschine hochzuladen. Ist auf der englischen Version schon geschehen.

Dienstag, 14. Oktober 2014

Farewell, Cologne!

Another two weeks of saying good-byes... This time it was Hannah's friends and family, on many different occasions.

It started with a picknick with friends in friendly weather, followed by a lot of Kölsch in the Lotta, one of the most sympathetic bars I've seen so far in Cologne.

(On top of the Kölsch, they also serve Astra there. Go try it.)

After that, I attended 
  • a house-warming party, 
  • a relocation-lugging-furniture-party, 
  • a just-moved-in-everything-still-full-of-boxes-party, 
  • several evening-beers with Hannah's friends at their respective appartments, 
  • an amazing Sauna (no friends there, just Hannah), 
  • and several lazy walks along the Rhine.

Apart from the fact that I have met an amazing bunch of really nice people, it is  noticeable that Colognians (is that a word? I mean Kölner, obviously) are rather peculiar. They are definitely the most local patriotic people I've ever met. 
The Kölner Dom (the big cathedral in the city centre) is printed on basically everything, they name their beer after the city, and every now and then people sponataneously start singing songs about Köln or the Carnival in Köln. And considering it's not that huge a city, or that carnival is only once a year, there are a LOT of songs about both!

Another example: I was looking for a postcard with the Constitution of Cologne, browsing a stall in from of a book shop, and was surprised, almost shocked, that I couldn't find one.
Upon entering and asking the shop assistant for it, she replied with glowing eyes: "No I'm sorry, we don't have those right now.. But we have something even better!" And continued to produce the most useless bauble I've seen so far in my life:
Die Tuschmaschine.

It is a small red plastic box with sixteen buttons, each labelled with a carnival-in-Cologne-related symbol (a beer glass, a clown face, a trumpet, fireworks, etc.).
Upon pressing one of the buttons, the corresponding sound is played. (When I find out how to do it, I will upload an example. Beware.)

And Hannah was fascinated! She was equally enchanted with it as the shop assistant, and immediately bought it. I thought I couldn't be more shocked, but it gets worse: Her mum loved it, too! And when we went back to the shop next day to get another one for her, they just had one single of those beastly things left, all others were sold out!

I was told I just hadn't had enough Kölsch in my life yet to understand... I'm not sure I ever will.

More pretty pictures (from Cologne) tomorrow. But if you can, come and see for yourself, it's worth it.

And in two days, we will have said all good-byes and boarded our flight to Cuba...

PS: Hannah forc.. convinced me to make a video of the Tuschmaschine. Here you go: