Freitag, 14. November 2014

Las Terrazas

Die Fahrt nach Las Terrazas dauert etwa zwei Stunden. Inzwischen haben wir uns schon fast gewöhnt, dass die Autobahnen in Cuba nur sehr dünn befahren sind, und deswegen auch sehr entspannte Fahrradfahrer und Pferdegespanne am Pannenstreifen unterwegs sind. Die Abfahrt nach Terrazas macht mich trotzdem ein bisschen nervös: Bei einer Autobahn links abfahren, die gegenüberliegenden beiden Spuren überqueren? Alles kein Problem.

Sobald wir ankommen, erfahren wir, dass der Ort, wo wir campen wollen, nochmal 5 Kilometer weiter ist. Und wir haben beinahe leere Mägen. Glücklicherweise hat ein vorbeifahrender Lada-Fahrer erbarmen mit uns unter unseren überdimensionierten Rucksäcken, und fährt uns mal die ersten 2 Kilometer ins Dorf Las Terrazas.

Der Ort wurde irgendwann in den 70ern nach den aktuellsten architektonischen Erkenntnissen gestaltet (= Plattenbau über alles), nachdem die Region von einem Waldbrand verheert wurde. Die lila-orange-weißen Platten sind zwar selbst wirklich alles andere als hübsch, aber der Ort ist terrassenförmig um einen kleinen Stausee angelegt, darüber hinaus gibts eine kleine Caféteria, einen Bier-Ausschank-Ort direkt am Wasser, einen Marktplatz, und vor allem die zivilatorischen Segnungen von Wasser und Elektrizität.
Und es gibt Bier vom Fass, und Sandwiches mit eingelegten Gürkchen. Also allerhöchster Luxus!

Zur installierten Infrastruktur von Las Terrazas gehören auch Flamingos, die einen durch seltsam verbogenen Hals und laute Schlabbergeräusche zum Lachen bringen.
So gestärkt schaffen wir auch noch die restlichen drei Kilometer über eine Straße, die sich vage dem Flussverlauf folgend pittoresk durch den Dschungel schlängelt. Hier gibts nur noch gelegentlich einfache Holzhäuschen, um die herum die Hühner- und Schweinchen-Dichte stark zunimmt. (Hier ists generell so, dass Kühe, Schweine und Hühner frei herumstreifen dürften. Ob es einfach so ist, dass die Tiere selbst wissen, wo sie hingehören, oder sie so eine Art sozialistisches Allgemeingut sind, konnten wir nicht rausfinden.) Später erfahren wir, dass es einfach keine Raubtiere gibt in Cuba. Sogar die Truthahngeier, die überall zahlreich kreisen, ernähren sich von Aas und Obst, und tun dem kleisten Küken nix, solange es noch lebt. Ansonsten gibts in Wäldern noch größere Eidechsen, die einen im schlimmsten Fall böse angucken können, und das wars.

Wir kommen also unbeschadet, nur ein bisschen angegrunzt und angegackert, zum Campingplatz von Rio San Juan. Und was für ein Campingplatz.. Direkt am Ufer, neben ein paar "Cabanas Rusticas", können wir unser Zelt aufstellen.
Die Unterkünfte unserer Nachbarn,

und unser kleines Zelt.

Der Fluss bildet einige natürliche Becken, so dass wir uns stets wieder einen neuen Schwimmteich aussuchen können.. Die kleinen Stromschnellen und Wasserfälle bilden nicht nur eine natürliche Wasserrutsche, sondern auch eine Art Wasserschwall-Dings, die man sie in Thermen findet, der sich hervorragend dazu eignet, einen verspannten Nacken oder Rücken zu massieren. Wenn man damit noch nicht genug beschäftigt ist, kann man auch die Taucherbrille nehmen, um sich die diversen Fische anzugucken, oder beobachtet überm Wasser die diversen Vögel und Reptilien.

Bisher unidentifizierter Vogel beim Gefiederputzen.

Wohlidentifiziertes menschliches Männchen kurz vorm Bauchfleck machen.

Bekanntes menschliches Weibchen beim täglichen Natur-Bad-Genießen.


Einen Tag verwenden wir dazu, eine Wanderung auf den höchsten lokalen Hügel zu machen. Der "Gipfel" ist gerade mal etwa 600 Meter überm Meeresspiegel, aber .. pfuh, in tropischer Hitze und Luftfeuchtigkeit da rauflatschen zieht sich schon ganz schön.
Haben wir uns schon im Dschungel verirrt oder doch noch nicht? Der kleine Kompass von meiner Abschiedsfeier hat uns schon viel weitergeholfen.

Dafür werden wir mit einer spektakulären Aussicht belohnt. Man kann sowohl die Nord- als auch die Südküste von Cuba von hier sehen, und am Horizont sogar La Habana. Und, natürlich, fehlt das obligatorische Ché-Denkmal auch hier nicht.
Viva la victoria siempre!

 Der Regen, vor dem wir uns mit unserem Mini-Hauchdünn-Zelt ein wenig gefürchtet haben, ist übrigens nie gekommen.

Nein, das haben wir nicht gemacht, damit es noch hübscher aussieht, sondern als Schutz vor dem angesagten sintflutartigen Regen. War dann aber doch nur ein bisschen Wind.

Vinales (and not Las Terrazas)

After some days in Havana we decided to take a Viazul to Las Terrazas. We borrowed a tent from David, an incredibly helpful and friendly Habanna-based couchsurfer and tour guide, and went to the Viazul-station.
One hour before the departure, the queue in front of the ticket-office was considerable, but not unmanageable. Fourty-five minutes later we had barely moved, and given up all hopes of getting onto the bus to Las Terrazas. Alternative plan: The valley of Vinales, departure in 4 hours. The lady at the ticket booth is not motivated. Do we REALLY want to buy tickets to Vinales? They are not refunable. Still, yes? No? We still need to call our Casa Particular to inform them that we arrive early? Perfect!
In retrospect, it can be interpreted as a bad omen that our original destination, Las Terrazas, is not on this map. We had a lot of time to look at this wall.
Next adventure: Calling someone in Cuba using a public phone.
1) Look at phone booth in perplexed way.
2) Ask nearby lady in broken Spanish how it works. Learn that you need to buy a phone card
3) Got to the next shop that looks like it has phone cards. Learn that they don't.
4) Ask them in broken Spanish where they have them. Find that place.
5) Buy friggin' phone card.
6) Stare in horror at REALLY complicated instrucations, diagrams, figures, and codes at phone card.
7) Ask lady near the originial phone booth (who just finished a really long call) how the heck this is supposed to work.
8) Follow instructions carefully.
9) It's not working.
10) Dispair.
11) Let the friendly lady do the dialling, twisting, and black mojo necessary to operate the public phone.
12) Inform the people from the Casa Particular in Vinales that we arrive today. Bingo!

Back at the ticket booth, the unmotivated vendor has a "system error" by now, so we have to find another one. Here, the clerk doesn't have any change, but is happy to wait until Hannah gets some from a close-by café.
We DO get tickets to Vinales in the end, and even manage to leave our luggage (The clerk there suggests to go see the local zoo and get eaten by the lions, but in good-humoured way..).

And six hours later we are actually in Vinales. Once more, we have to convince our hosts that our bowels will survive dinner out, and are free.
Yes, Vinales is a small town, but civilization doesn't stop anywhere. Instead, it stops horse carts.
One of the not-to-miss Vinales sights is definitely the botanical garden "Los dos hermanas". It started out as a garden tended to by two floraly enthusiastic sisters about 100 years ago, and is now a jungle paradise on the outskirts of the village.
I won't bore you with the 1000 pictures of the amazing plants I took at this place, just this one huge bunch of bananas with this little green guy one it.
Okay, just one more. Starfruit! Lots of them. I spent about 2 hours in there, wishing for better photography equipment (and skills, ahem).
Later in the day, we decide to stroll to the "Murales de la Prehistoria", a huge mural  from the 60ies on one of the natural rock walls close by in the valley.

"Close by" turns out to be a 7 kilometer forced march in the scorching sun. I realize that so much sun is neither good for me nor for my mood, and I apologize for that..

Too much heat is not good for me.
Only the devil knows how Hannah still managed to smile, but I do admire her for that.
We arrive at the place thirsty, overheated and tired, only to learn that we have to pay an entrance fee of 3 CUC per person. So we enjoy the very of this magnifienct painting from afar, and continue our journey to a Mirador further down the valley. 
Yup, the valley is unique. I keep thinking about having sufficient climbing equipment (and skill) here to climb one of those rocks.
The landscape is really unique, and the farms close by are worth seeing as well. (Sugarcane, lemons, random exotic fruit that I don't know and the happiest cows I can imagine.)
The way trip back is a lot cooler, thank goodness.
On our way back to a direly needed dinner.
Next morning, we walk to the local bus station, and buy tickets to Las Terrazas. Just like that. Hooray!

La Habana

Ein Taxi bringt uns nach Havanna, und braucht ewig, bis es die Adresse unserer Unterkunft findet. Wir sind bei einer älteren Dame namens Nery untergebracht, die leider einen Dialekt spricht (oder einfach ganz schlimm nuschelt?), den wir ganz und gar nicht verstehen. Also, wirklich gar nicht. Damit es aber fair bleibt, versteht auch sie unser rudimentäres Spanisch nicht. Wenn wir also zum Beispiel nach den Schlüsseln für die Wohnung fragen, versteht sie, dass wir Handtücher brauchen (möglicherweise), worauf sie uns antwortet, dass das Wetter morgen gut werden wird (verstehen zumindest wir). Naja. Ein zweiter Gast von Nery, ein deutscher Reisejournalist, gibt uns ein paar sehr hilfreiche Tips zum öffentlichen Nahverkehr in La Habana, und so ausgerüstet machen wir uns auf den Weg. Erst am Malecon entlang, dann irgendwann, als es zu nieseln beginnt, in die Gassen und Sträßchen hinein. Wir finden zwar noch ein paar Hotels, darunter auch das Nacional, aber Internetzugang gibts derzeit gerade bei keinem.
Nur kurze Zeit später haben wir uns hoffnungslos verlaufen. Von der eigentlichen Altstadt sehen wir noch nichts, aber in der Dämmerung gelingt es uns dann schließlich, ein Taxi Colectivo in die richtige Richtung anzuhalten. Ja, es ist ein tuckerndes Ungetüm aus den 50ern. Wir freuen uns.
Zufällig geraten wir auch in diese Bar. Einer der Musiker ist der Sohn vom Schwager von Compay Segundo, oder so. Jedenfalls sind die Jungs wirklich gut. Die Cocktails leider nicht.
Am nächsten Tag nehmen wir gleich so ein Colectivo in die Altstadt, und schlendern dort ziellos herum. Mehr Touristen, auch mehr restaurierte Gebäude gibts hier, aber dann, nur eine Ecke weiter, findet man sich zwischen den selben Prunkbauen wieder, nur dass die hier seit sicher hundert Jahren nicht mehr saniert wurden. Dafür gibts Kaffee für 0.04 CUC und Brötchen mit frittiertem Fisch um 0.40 CUC. (Und die Panade hat so einen leichten Hauch von Limette und Ingwer.. echt gut!)
Vorher bzw. "In Arbeit". Überall wird gebaut, restauriert, Straßen aufgerissen. Und trotzdem geht das Leben in La Habana ganz ruhig weiter.

Nachher: Alles hübsch gemacht, doppelt so viele Touristen und verzehnfachte Preise. Aber zum Glück noch ohne Starbucks. Im Hintergrund dafür das Capitolio, das auch gerade restauriert wird.

Am nächsten Tag treffen wir uns auch noch mit David, einem Couchsurfer in Havanna, der uns schon einen Haufen Tips gegeben hat, und uns auch sein Zelt leiht (das brauchen wir für Las Terrazas, siehe unten.) Er freut sich sehr über unsere mitgebrachten Holzschrauben und Schrauben-Bits, und lädt uns gleich noch zum Abendessen ein. Ich freue mich, dass ich die Schrauben nicht mehr mitschleppen muss, und übers Abendessen.

Das Abendessen wartet mit allen cubanischen Leckereien auf. Frittierte Patatas (also Kochbananen), Malanga-Laibchen, die sehr ähnlich wie Kartoffelpuffer schmecken, natürlich Reis mit schwarzen Bohnen, eine undefinierbare aber leckere Fleischpaste, und eine ganz großartige Suppe dazu. Dazu wird der beste Mojito gereicht, der mir seit langem untergekommen ist.
Nicht nur wir sind eingeladen, sondern auch Davids gesamt Familie, weil er selbst spontan am nächsten Tag nach London fliegt. Wir üben ein bisschen unser Spanisch, aber gehen relativ früh nach Hause, weil Hannah irgendetwas, was wir tagsüber gegessen haben, schlecht verträgt. (Von dem "Cook it, peel it, or forget it"-Prinzip sind wir übrigens schon lange abgegangen, und bis auf diesen kleinen, milden Zwischenfall ist uns noch nichts Übles zugestoßen.)

Ich hab die Photos aus Havanna übrigens nicht heruntergeladen. Wir waren wirklich dort. Eine freundliche Touristin, die uns anspricht, ob wir sie und ihren Ehegatten photographieren könnten ("I never dare to ask locals.. you never know...") bietet an, auch von uns beiden eines zu schießen.

Donnerstag, 13. November 2014

Trinidad

Next stop: Trinidad. This time our hosts have gone so far as to organizing a Bici-Taxi to pick us up from the bus stop and deliver us (and our considerable luggage) to the Case Particular.
The owners are really nice, but a bit overprotective. According to them, we should not eat in random place in the street for risk of diarrhoea, don't have random fruit from the stalls in the street for risk of diarrhoea, and not drink the tap water for, surprise, the same reason. The solution would be to have breakfast and dinner in their Casa Particular, and drink (and pay for) the bottled water from their fridge.
Of course, we nod, smile, and proceed to ignore all their advice. We enjoyed ourselves tremendously.

Trinidad itself is, by modern standards, a really small town. But it's one of the best preserved towns in all the Caribbean  from the good old sugar-trade times. In the centre, there really are hardly any modern buildings, just nicely restored collonial houses.
View over the roofs of Trinidad. I guess it looked pretty much the same 50 or even 100 years ago. Maybe less people offering "Horseback riding!", but thankfully you can't see them from up here.
Of course, a lot of travellers apart from us are aware of this as well, and the local population as well. It was definitely the most touristic town we've seen in Cuba, with someone jumping at us and yelling "Taxi?!", "Horseback riding?!" or "Restaurant? Nice Restuarant!" every few metres.
But still, this is Cuba, so a brief "No, gracias." did the trick. Of the many things a tourist can do in this city, we just did the Museo Nacional de la Luche Contra Bandidos ("Museum of the Fight against the Bandits", where "Bandits" means "people opposed to the socialist revolution".) and the Casa de la Musica (Yes, the Cubaniest live music possible. We couldn't quite figure out if is existed only for the visiting people with lots of cash, or if it was actually a local thing.. the audience was really mixed.

Exhibits like this (Russian truck used to transport good guys) and many others (guns used by bad guys, motorboat used by bad guys, hairbrush used by good guy, etc.) didn't impress us too much. And our Spanish wasn't good enough to read the letters on display from Fidel, Ché, and his even more sympathetic sidekick, Camilo Cienfuegos.


And, of course, we did a trip to the Playa Ancon close by, in a Coco Taxi (invented in India, designed in Italy, and built in Cuba.). And we traded my fins for two Coco Locos (which are fresh coco nuts, with rum, sugar and lime poured into them. All of those ingredients are cheap and abundant in Cuba, so a wonderful invention.)
From left to right: Donat (with turquoise sunglasses), Coco Loco, Coco Loco, and Hannah (with turquoise sunglasses).

The museums of local history and architecture were, unfortunately, closed when we tried to visit them. Reason: Heavy rain. The schools stayed closed that day as well.
Me, colonial veranda, and lots of rain. The rain isn't really visible in the photo, but believe me, there was a lot.

Sonntag, 9. November 2014

Cienfuegos

Wir werden am Busbahnhof abgeholt, von einem vermutlich Angestellten vom dortigen Casa Particular. (Das hat übrigens unser Vermieter für uns reserviert. Es sind nämlich offenbar sämtliche Betreiber von Privatunterkünften auf ganz Cuba perfekt miteinander vernetzt.)

Kolonialer Prunk, und dank der eifrig zahlenden Touristen hübsch renoviert.
Die Unterkunft hier ist in einem noch imposanteren Kolonialhaus, aber wir schmeißen trotzdem nur unsere Taschen ins Zimmer, und spazieren auf den Malecon (die Uferpromenade), wo wir endlich endlich unser erstes Cola mit Rum trinken können. Schmeckt nur leider nicht sonderlich, liegt vermutlich an den Chlor-Eiswürfeln. Wir sind aber lernfähig, kaufen uns eine Flasche Rum (selbstverständlich aus der stadteigenen Destillerie), drei Dosen Cola dazu, und sind dann sehr zufrieden.
Der Malecon von Cienfuegos - Hinter dem Photographen wird gerade Rum in einen Becher ausgeschenkt.

Am nächsten Tag wandern wir auf den Stadtplatz, und lassen uns dann von einem recht hartnäckigen Kutscher dazu überreden, uns zur Punta Gorda bringen zu lassen. Pferdekutschen sind hier übrigens sehr verbreitet Fortbewegungsmittel, nicht nur für Touristen, sondern sogar überwiegend für die Einheimischen und deren zu transportierendes Zeugs.
Stadtplatz von Cienfuegos mit zwei Vertretern der Cuba-typischen Autos: Lada oder 50er-Spaceship

Holperige Sache, aber war besser als bei stechender Sonne die 3 km zu latschen. Aber das Pferd hat mir sehr leid getan.

Auf der Punta Gorda, ganz am Ende des Malecons, hat sich ein Zuckerbaron ein kleines Schloss gebaut, komplett im "maurischen Stil". Inzwischen ist das Gebäude natürlich in Staatsbesitz, und drinnen befindet sich ein Restaurant, sowie ein Café auf der Dachterasse.
Zuckerplantagen und Sklavenarbeit haben sich halt doch ausgezahlt.

Ein sehr freundlicher (und englisch-sprechender) Bici-Taxi-Fahrer kutschiert uns dort in der Gegend herum, erzählt uns die Geschichten der Prunkbauten, bringt uns in einen Park, in dem es einen Pavillion gibt, dessen Mojitos "die Besten der ganzen Stadt sind", und wartet sogar, um uns nach genossenem Getränk wieder in die Stadt zu radeln.
Mojito und Zitronensorbet. Dazwischen am Horizont eine Gemeinsamkeit von Cuba mit Österreich: ein fertiggestelltes, aber nie in Betrieb gegangenes Atomkraftwerk.
Ich und Benny Moré, berühmtester Musiker von Cienfuegos. Eigentlich wollte ich ihm ja den Arm über die Schulter legen, aber dabei hab ich mich ein wenig verbrannt. Ja, es ist sonnig und heiß.

Er erzählt auch ein bisschen von sich, und der täglichen Realität eines Cubaners.. Früher war er nämlich Geschichtelehrer. Sein Monatslohn betrug da 12 CUC (also etwa 10 Euro). Wie man davon lebt? Es geht schon. Jede Cubanerin und jeder Cubaner bekommt nämlich Essenmarken für Reis, Bohnen, Zucker, Brot und Eier. Kinder bekommen zusätzlich noch Milchrationen. Prinzipiell alle Familien besitzen ein eigenes Haus (es ist sogar verboten, mehr als einen Hauptwohnsitz sowie eine Ferienwohnung zu besitzen), als fällt schon mal die Miete weg. Gas zum Kochen, Elektrizität und Wasser sind so stark subventioniert, dass es praktisch nichts kostst. Jeder cubanische Staatsbürger hat darüberhinaus ein Recht auf freie Bildung, medizinische Versorgung sowie eine Rente (ab wann, hab ich leider nicht herausgefunden.)

Trotzdem:

Eine Avocado: 0.2 CUC, das wenige Gemüse, das es gibt, etwa auch so viel.
Eine Pizza auf der Straße kostet 0.3 CUC
Eine kleine Flasche Bier: 1 CUC.
Eine Flasche Trinkwasser: 1.5 CUC.
Das günstigst Essen in einem Restaurant, das wir gefunden haben: 2 CUC.
Eine Minute mit dem Handy telefonieren: 2 CUC
Eine Flasche Milch: 3 CUC
Eine Stunde Internet: wie schon erwähnt 5 CUC.
Eine Waschmaschine: 50 CUC (aber das hat nichts damit zu tun, was man bei uns so nennt..)
Ein Kühlschrank: 200 CUC (2 Jahresgehälter!)

Man kann also davon leben, aber nicht gut. Unser Bici-Taxi-Fahrer hat deshalb das Geld zusammengespart, um eine Touristen-Lizenz zu erwerben. Jetzt bezahlt er monatlich 10 CUC für diese Lizenz, zusätzlich 8 CUC für die Pensionskasse, und noch ein paar andere Steuern..
Der ehemalige Geschichtelehrer, jetzt im Touristen-Business, zahlt also genug Abgaben, um zwei staatliche Lehrer zu finanzieren.. und lebt selbst weit besser davon als zuvor. Er freut sich zwar, dass er jetzt ein eigenes Haus hat, und nicht mehr mit seiner Frau und seiner Tochter bei seinen eigenen Eltern daheim wohnen muss, aber gut findet er das System nicht. Wir sind auch ganz schön schockiert.

Samstag, 8. November 2014

Lautgedicht der Kölner Stadtteile

Die Idee hierfür ist mir schon gekommen, wie ich das erste Mal in Köln war. Mit etwas Verspätung:

Colonia.

Blumenberg Bayenthal,
Finkenberg Raderthal,
Höhenberg Klettenberg Deutz!

Braunsfeld Bocklemünd/Mengenich Merkenich Meschenich.
Ensen Grengel Bickendorf!

Mauenheim Merheim Mülheim Ostheim - Pesch!

Vogelsang:
Zündorf Widdersdorf Junkersdorf Müngersdorf,
Heimersdorf Roggendorf/Thenhoven Rondorf Gremberghoven
Westhoven Elsdorf Ossendorf - Godorf!

Weiß:
Altstadt-Nord. Neustadt-Nord. Altstadt-Süd - Neustadt-Süd. Vingst!
Humboldt/Gremberg Worringen Immendorf Holweide
Hahnwald Esch/Auweiler Volkhoven/Weiler.
Raderberg Seeberg.

Marienburg - Flittard!

Dellbrück Neubrück Rath/Heumar.
Fühlingen: Buchforst Buchheim; Dünnwald.

Ehrenfeld Neuehrenfeld Chorweiler - Bilderstöckchen.

Rodenkirchen Höhenhaus. Urbach. Sürth.

Lindenthal Lind Lindweiler Longerich Lövenich
Stammheim Wahn! Wahnheide!
Weidenpesch Weiden Langel Libur Eil - Riehl!

Brück Poll Porz Sülz!
Niehl Nippes Zollstock Kalk.

Matanzas, Cuba


Köln verabschiedet uns mit Regen, Elke und Thomas mit ein paar unterdrückten Tränen. Hannah unterdrückt die Tränen nicht. Ohne kaltherzig klingen zu wollen: Ein anderes Thema drängt sich in den Vordergrund meines derzeitigen Denkens: Varadero. Nein, es geht nicht um den angeblich wirklich traumhaften Strand oder die unendlichen Touristen-Resorts, die dort stehen, sondern unser Zielflughafen.

Seit etwa drei Monaten sind wir überzeugt davon, in Holguin zu landen, also im Osten von Cuba. Jetzt haben wir die ausgedruckten Check-In-Zettel vor uns, und hier steht: Frankfurt - Varadero.
Ein Fehler der Fluggesellschaft? Nein. Wir haben seit drei Monaten tatsächlich darüber hinweggelesen. Warum? Weiß der Geier. Aber Hostel-Buchungen usw. haben wir natürlich auch für Holguin, nicht für Varadero. Das macht mich etwas unrund. Am Flughafen verwende ich den Restakku des Laptops noch schnell dazu, eine kurze Recherche nach möglichen Unterkunftsorten durchzuführen. Nicht so einfach, aber es kommen die Städte Varadero, Matanzas und Cárdenas in Frage. Na gut.

So kommen wir nach 11 Stunden Flug in Varadero an, etwa 9 Uhr abends. Öffentliche Busse gibts keine mehr, dafür viel Hitze und Taxifahrer. Und ja, natürlich kennt der Taxifahrer Casas Particulares (wie die privaten Unterkünfte hier heißen) in Varadero, und auch in Matanzas. Wir entscheiden uns für Matanzas.

Wir residieren bei Roberto und Margarita, die in einem hübschen Kolonialbau aus dem 18. Jahrhundert wohnen. Die Pensionsgäste sind im Trakt mit den ehemaligen Pferdeställen untergebracht. Und der Jetlag lässt uns wunderbar und lange schlafen, nur der antiquierte Kühlschrank in der Ecke rasselt, schnauft und grunzt nächtens manchmal ein bisschen unheimlich.

Den nächsten Tag nutzen wir dazu, um durch die Stadt zu spazieren, den Plaza Central zu besichtigen, sowie im Hotel Velasco "kurz" in Internet zu gehen, um mal ein Lebenszeichen abzugeben.
Internet. Ein spannender Vorgang in Cuba. Der Rezeptionist informiert uns, dass wir eine Karte bei ihm kaufen könnten, die 5 CUC (Pesos Cubanos Convertibles, 1 CUC sind etwa 0.80 EUR) kostet. Für eine Stunde. Aber er hat gerade keine Karten da, also müssten wir sowieso warten.
Leicht schockiert wandern wir weiter, um beim offiziellen, staatlichen "Internetcafé" nochmal zu fragen. Tatsächlich, der gleiche Preis. Und auch grad keine Karten. Aber zusätzlich noch eine Schlange von gefühlten zehntausend Leuten.
Na gut. Also doch zurück zum Hotel, wo man beim Warten zumindest sitzen kann. Wir zahlen die 5 CUC, setzen ein minimalistisches Email ab, und sparen uns die restliche halbe Stunde für einen anderen Tag auf. (Ja, die Verbindung ist nicht nur teuer, sondern auch langsam.)

Kein Museum, sondern tatsächlich das Feuerwehrhaus von Matanzas
Che ist überall. Wirklich überall. Der Revolutionär als Systemerhalter (und Zierelement).


Dann packen wir unsere Siebensachen, finden im Ort den Platz, an dem die "Taxis Collectivos" abfahren, ähnlich wie die "Dolmuş" in der Türkei. Mit dem Unterschied, dass hier die Collectivos monströse, umgebaute Lastwägen aus den 50ern sind, dicke Abgas-spuckende Chevys oder Buicks oder wie auch immer diese uralten amerikanischen Gefährte heißen.
Um 1 CUC pro Person befördert uns der Fahrer zum Strand von Varadero. Noch dazu dürfen wir in der Führerkabine beim ihm sitzen, während die etwa 30 Beförderten auf den Bänken der überdachten Ladefläche herumschaukeln. Und er unterhält sich mit uns auf Spanisch-für-Idioten, wofür wir ihm aufrichtig dankbar sind. Das ist momentan genau unser Sprachniveau!

Als der Tacho aufgehört hat zu funktionieren, hatte der Wagen 600.000 Meilen drauf. Wieviele Jahre das her ist, weiß ich leider nicht.
Der Strand von Varadero. Was soll ich sagen. Wir steigen an einer Stelle aus, an der die Touristen-Dichte noch recht dünn ist, und wie soll ich den ersten Karibik-Strand beschreiben, an dem ich in meinem Leben bin? Paradiesisch triffts schon irgendwie.

Abends in Matanzas spricht uns auf der Straße ein Mann in einem ziemlich staubigen Arbeiteroverall an, der unterm Arm ein ziemlich mitgenommenes Buch trägt. Er freut sich sehr, dass wir deutsch sprechen, er nämlich auch.
"Ich bin sehr erfreut darüber, euch an diesem Ort anzutreffen, denn so kann ich mein Deutsch praktizieren. Wissen Sie, aus Langeweile habe ich begonnen, die deutsche Sprache zu erlernen, aus diesem Buch hier." Nach einigen Sätzen eilt er wieder weiter.
Den Titel des Buches konnte ich leider nicht entziffern, es dürft sich aber um ein älteres Werk handeln, dessen Sprache ein wenig altertümlich anmutete.

Am zweiten Tag machen wir einen Ausflug zum Rio Canimar. Wir versuchen hartnäckig, einen Wanderweg daran entlang zu finden, scheitern aber kläglich daran. Der Versuch macht trotzdem Spaß, so kommen wir mit viel Flora, Fauna und lokaler Bevölkerung in Kontakt.

Bootsverleih. Außerdem ists nicht mal ganz untergegangen.

Glubsch. Nachdem ich den ersten gefunden hab, sind sie mir überall aufgefallen.
Die hier hab ich allerdings erst gesehen, wie ich fast im Netz dringestanden bin.
Rio Canimar - Hübsche Aussicht auf Hannah und Ufer

Abends versuchen wir den Bahnhof von Matanzas zu finden. Der Vermieter unseres Zimmers rät zwar von einer Zugreise ab (langsam, und es soll schon mal vorkommen, dass der Zug auf der Strecke für ein paar Stunden liegenbleibt..), wir wollen uns aber trotzdem mal erkundigen. Ausgeschildert ist der Bahnhof jedenfalls nicht.
Nach etwa einer halben Stunde zielloser Wanderung treffen wir wieder den deutschsprechenden Literaten.

"Meine Freunde! Welche eine freudige Überraschung, euch wiederzutreffen! Aber welch Vorhaben führt euch in eine so abgeschiedene Gegend der Stadt?"

Er empfiehlt uns ein Bici-Taxi zu nehmen, also eine Rikscha, die er auch gleich für uns herbeiwinkt. Der Rikscha-Fahrer freut sich zwar über die 3 CUC die er bekommt, plagt sich dann aber über 30 Minuten (gefühlt war es noch viel länger..) entsetzlich, um uns zum Bahnhof zu bringen.

Das trostlose Gebäude liegt an einem fernen Stadtrand, die Halle ist gefüllt mit resigniert wirkenden Gestalten, die mit viel Gepäck alle verfügbaren Sitze belegen. In einem Eck des Gebäudes finden wir zwei Menschen, die so wirken, als wären sie irgendwie zuständig. Ein Zug? Ja, es gibt einen, nach Santa Clara. Heute? Nein, heute wahrscheinlich nicht mehr. Morgen? Ja, so zwischen 4 und 8 soll der fahren. Oder nein, vielleicht doch erst um 10. Oder 11. Ziemlich sicher.

Okay, dann vielleicht wirklich nicht mit dem Zug... Letzten Endes entscheiden wir uns doch für den Viazul-Bus. Das sind die ausschließlich für Touristen verfügbaren Fernbusse, die alle größeren Städte und Sehenswürdigkeiten anfahren. Wir überlegen kurz, und beschließen dann, nach Cienfuegos weiterzureisen. Quer durchs Land, an die Südküste von Cuba.

Auf dem Weg gibts eine viel zu kalte Klimaanlage, aber dafür Aussicht auf sich unterwegs langsam verändernde Landschaft.