Sonntag, 18. Januar 2015

San Pedro La Laguna (Lago Atitlan 2)

Zweiter Besuch des Atitlan-Sees, diesmal haben wir aber einiges zu tun. Eine Woche Spanisch-Kurs. Unser "Maestro" Diego ist erst zwanzig, aber macht seine Sache sehr gut. English spricht er übrigens auch nicht, was ich ganz gut finde. Bei allfälligen Unklarheiten sind wir so gezwungen, auf Spanisch nachzufragen.

Kochbananen schälen, und anschließend lernen wir das wunderschön lautmalerische Wort machacar, Spanisch für zermatschen.

Die Spanischschule organisiert nachmittags auch diverse Aktivitäten, so zum Beispiel einen Kochkurs. Diese Woche machen wir dabei Rellenitos, das sind Bällchen aus Kochbananenmus, die mit - wie könnte es anders sein - Bohnenpüree gefüllt werden. Anschließen frittiert.

Nachdem wir fertiggekocht haben, tauchen plötzlich ein paar ebenfalls Spanisch lernende Zaungäste auf. Es gab trotzdem mehr als genug.
Dazwischen, so zur Abwechslung, ist einmal Hannah, dann wieder ich für jeweils einen Tag oder etwas mehr aus Verdauungsgründen außer Gefecht.

Die Familie, bei der wir untergebracht sind, hat einen Familiennamen, der mir zu kompliziert zum Aufschreiben ist. Deshalb bleiben sie für uns Rosa und Byron, und sie kümmern sich wirklich ganz nett um uns. 
Der Einladung zum traditionellen Tamales-Essen am 31. Dezember können wir dann leider doch nicht nachkommen (wie schon gesagt...).
Rosa hebt trotzdem ein paar davon auf, und serviert sie uns am nächsten Tag.
Es sind DOCH keine Bananenblätter, sondern die irgendeiner anderen Pflanze, deren Name mir vollkommen unbekannt ist, die aber nur zum Tamales-Einwickeln verwendet wird.
Ah ja, dann war da noch die Episode mit der Kakerlake in meiner Bierdose. Zur Desinfektion meines Magens habe an geistesgegenwärtig sofort den gesamten restlichen Schnaps, den wir noch hatten, ausgetrunken, und wahrscheinlich konnte ich nur so Schlimmeres verhindern.
Dafür habe ich am nächsten Morgen fürchterliches Kopfweh. Naja, der Kakerlake gehts noch schlechter.

Kaffee, heiße Schokolade, Spanisch-Wörterbuch, Spanisch-Kurzgrammatik, Spanisch-Handy-Apps. Alles da.
Meistens verbringen wir die Zeit am Nachmittag mit Spanisch-Lernen bzw. Wiederholen von unregelmäßigen Verben im Präsens, Indefinido und Imperfecto. Diego erwähnt zwar in einer Spanischstunde zwar kurz das Subjunctivo, aber ich gebe zu verstehen, dass derartige Spitzfindigkeiten noch keinen Platz in meinem Repertoire haben.
Ja, das Photo kennt ihr schon, aber an dem Flecken hats mir einfach außerordentlich gut gefallen.
Nach San Marcos fahren wir auch noch einmal, mit den gleichen Vorbehalten wie gehabt. Zum Slacklinen ists noch immer schön dort, die Fernsicht sogar noch ein bisschen besser als beim letzten Mal.
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Am letzten "Schultag" gibts dann sogar noch eine Urkunden-Überreichung, und am Abend gehen wir mit dem Direktor der Schule noch auf ein Bier. Ich glaube, dass letzteres aber nicht im Standard-Programm enthalten ist.
Byron, Juan-Carlos, Rosa, Hannah, ich, bunte Tischdecke.
Natürlich machen wir auch noch ein Gast-Familienphoto.

Fazit unseres Aufenthalts: Wenn jemand Spanisch lernen möchte, können wir diese Ecke von Guatemala auf jeden Fall empfehlen. Die Grund-Grund-Grundlagen sollte man schon können, weil der Unterricht ja rein auf Spanisch ist. Aber eine Spanischschule, die direkt am See liegt.. Wenn man einen günstigen Flug findet, ists wahrscheinlich für einen Monat sogar schon günstiger, als einen Kurs in Österreich oder Deutschland zu machen. 

Aus irgendeinem teuflischen Grund schaut Hannah übrigens auch noch mal nach, wie warm bzw. kalt es gerade es zu Hause ist. Ihr Handy sagt: -5 Grad Celsius. Ihre hämisches, fast schon dämonisches, Grinsen konnte ich gerade noch einfangen.
Wiiiie kalt?!
Unsere nächste Station (wie man jetzt übrigens auch der Routen-Karte entnehmen kann, die ich auf den letzten Stand gebracht habe) ist übrigens nicht sofort Lanquin, sondern eine kleine Finca kurz vor Huehuetenango, wo wir einen Couchsurfer gefunden haben, der uns für ein paar Nächte auf seiner kleinen Kaffee-Plantage beherbergen wird.

Samstag, 17. Januar 2015

Map - Route in Guatemala


Our route in Guatemala.. so far.



Well, "route so far" as in "planned route including the next two weeks". Who knows when I'll get a proper Internet connection again. And yes, I do realize we skipped Antigua and the Peten. Maybe some other time.

Chichicastenango

We are back at the Camioneta terminal in Xela, and this time, we're quite happy (well, not happy, but it's still what we were hoping for) when someone screams into our faces "CHICHI?? CHICHIIII!!!" Yes, two to Chichi, please.
Around 98.000 of these diesel-guzzling monsters are roaring around in Guatemala. The old school buses from the States are imported, and, as I've heard, brought back to life with stronger engines to cope with the Guatematecan roads.
The ajudante of this camioneta still posesses two fully functional hands, but does the same tricks as the one-handed guy from the last bus. Climbing out of the window and onto the roof during reckless driving.. we are getting used to it.
However, on this journey we hear why they are commonly called "chicken buses": One of our co-passengers stows three large cardboard crates with air holes on the overhead storage. All three boxes emit low cheeping noises. Whenever the bus takes a sharp corner and all chicks within the box are compressed in one corner due to the centrifugal forces, the noise rises to an excited crescendo of startled squeaking.. Okay, chicken bus all right.

In Chichicastenango, we arrive on Saturday afternoon. The Plaza Central of this little town is already occupied with lots of semi-permanent looking stalls, tents and buildings, that together form a sort of cave, in which a lot of comedores are housed.

Just a regular market on the day before M-Day. (Market Day is every Sunday in Chichi, and Wednesday as well, I think.)
In the evening, the activity increases: More makeshift food stalls appear to feed all the countless people that arrive to set up more shops. We sit on the terrace of a restaurant at the edge of the Plaza Central, sit our beers, and watch the spectacle. It's quite fascinating to see how quickly the skilled tradesmen set up a frame of some poles, held together with just a bit of rope. Then they throw more strings over and around these racks, pull up a rain-resistent tarpaulin, and just a few minutes later they add the finishing touches to their shops.

On the next morning, Sunday, the market is open. And yes, it's overwhelming. There's an endless stream of people, shouting vendors of handbags, tightlipped tourists from Guatemala, little kids running around selling bracelets, indigenous ladies praising the quality of their food, awestruck or foolish tourists from abroad, fruit-juice sellers, clothes merchants.
And because, at some places, there still might be a few square-centimeters of open space, the church doors fly open, and a procession spills out onto the crowded square. Not just people, but also people carrying those large floats with the statues of some saints on it..
Flower in front of the church, and the tent-town that is the market in front of that.

If you're not careful, you might end up buying a LOT of stuff. That you don't need. But it will put a smile (or an evil chuckle) on the vendor's face.

Yeah, we want through here! What? No space? No worries, it will work out somehow..

Lots of different worlds mingling on the Chichicastenango market.
I already mentioned it, but what is it that Saints seem to like most? Yes of course, fireworks! So in the middle of this insane crowd, at least three guys set down steel tubes with welded-on bases, load these mortars (yes, that's what they are) with some self-rolled packets of gunpowder, and ignite the fuse.
This is Mr. Happy Bomberman, with his cheerful bag of celebratory self-made fireworks, assisted by Mortar-Carrying Boy, and Guy with a Hat and a Match. When they are reloading their contraption, Old Drummer Guy can make some in-between noise.
Two seconds later I'm happy that I still have my eyebrows, but really, really want to get further away from these maniacs. We manage to escape, and apparently no-one gets ripped apart on this day. I wonder why.
At this stall they are selling furniture. The shop where they sold their own old grannies is right next to this one.

Graveyards sure look a lot more cheerful in Central America.

Our next stop is, once more Lago Atitlan, but this time with a mission: Spanish course!

Freitag, 16. Januar 2015

Xela

Wir hatten (wieder mal) Glück. Wie verbringt man Weihnachten an einem eigentlich völlig fremden Ort, an dem man niemanden kennt? Couchsurfing, fällt uns als eine mögliche Antwort ein.

Und tatsächlich, Mauricio aus Xela (also Quetaltenango) lädt uns über Weihnachten ein. Er fügt zwar gleich hinzu, dass er über die Feiertage bei seinen Eltern übernachtet, aber wir könnten ja so lange seine Wohnung haben, und er ist dazwischen immer wieder mal da. Klingt gut.

Nach der dreistündigen Fahrt für die ca. 150 km von Panajachel bis Xela sind wir ordentlich durchgeschüttelt. Der Bus war eigentlich relativ leer (also keine doppelte oder dreifache Überbelegung) und die Straße relativ gut (wenn auch ziemlich kurvig), aber ich bin trotzdem ein bisschen entgeistert.
Dazu am meisten beigetragen hat der Ayudante des Buses. (Jeder Bus ist hier nämlich mit einem Fahrer sowie einem Ayudante ausgestattet. Der Fahrer fährt auf Teufel komm raus, der Ayudante sammelt das Fahrgeld ein, verstaut Taschen, Rucksäcke, und noch schwereres Gepäck am Dach des Buses, ruft bei Zwischenstops die Destination des Busses aus, und treibt Zusteigende an, schneller einzusteigen.)
Der unseres Busses verfügt nämlich nur über eine linke Hand, seine rechte ist nur ein Handstumpf. Ob von Geburt an oder durch einen Unfall, kann ich nicht sagen. Das hält ihn aber trotzdem nicht im Geringsten davon ab, die vielen Aufgaben eines Ayudantes mit Bravour zu meistern.
Am meisten davon schockiert mich, als er plötzlich, während der Fahrt (mit vielen plötzlichen Brems- und Beschleunigungsmanövern, und Kurven) aus der offenen Türe aufs Dach klettert, ein festgezurrtes Gepäckstück lockert und zum Ausladen bereit macht, kurz bevor der Bus stehen bleibt. (Die Steh-Phasen sind meist nie länger als 5 Sekunden. Ehrlich, ohne Übertreibung!)
Jeder Arbeitsschutzbeauftragte in Deutschland oder Österreich würde sich wimmernd unter den Sitzbänken verkriechen (wenn er dort Platz hätte..).

Wir kommen also in Xela an. Das Busterminal ist ein Tohuwabohu. Die Hintergrundmusik liefern Dutzende Camionetas, die mit quietschenden Bremsen einfahren, mit blubberndem Diesel im Leergang auf die nächsten Fahrgäste warten, oder mit aufröhrendem Motor losstarten. Die Straße gleicht einer langgezogenen Arena, in der sich die Kombatanten gegenseitig versuchen, zu überschreien.
Wir laden uns gerade die Rucksäcke auf die Schultern, als uns schon ein Ayudante oder vielleicht auch einer der vielen "Vermittler" anbrüllt: "ANTIGUA?? ANTIGUA!!!" Neben ihm taucht sein Kontrahend auf, und schreit: "GUATE!!! GUATE? GUATEE!" (also Guatemala City). Ein dritter springt dazu, und meint: "CHICHI?? CHICHI!" (Chichicastenango), während aus einem Fahrzeug ein Stimme dringt: "TAXI?!? TAXI!!".
Danke, die Herren, nein, danke, keines von allem, ob uns wohl jemand verraten könnte, wie man in die Innenstadt kommt, danke, ganz lieb? "TAXI!?" Nein, danke, auch nicht, wir würden lieber zu Fuß gehen, oder vielleicht mit einem öffentlichen Bus...
Schließlich schaffen wir es, uns aus der Gefahrenzone zu bringen, und normale Passanten erzählen uns schnell, wo die Stadtbusse abfahren.

So finden wir bald den Plaza Central von Xela, und einige Minuten später holt uns Mauricio ab. Allerdings ist er sehr in Eile, weil er kürzlich ein neues Restaurant aufgemacht hat, und das gerade in der Einlaufphase viel Arbeit macht.
Er bringt uns also in seine Wohnung, gibt uns eine kurze Führung, drückt uns den Schlüssel in die Hand, und ist wieder dahin.
Wir bleiben ein wenig sprachlos zurück. Die Wohnung ist riesengroß, schick möbliert, hat einen kleinen Garten im Innenhof, und ist generell mit Abstand die hübscheste Bleibe, die uns seit Kuba untergekommen ist.. und gehört für die nächsten Tage praktisch uns.
Nachdem wir uns ein wenig gefasst haben, marschieren wir auf den Markt, um uns mit allem Notwendigen für ein Weihnachts-Frühstück sowie traditionelles Abendessen einzudecken. In meinem Fall wäre das ja Bratwürstel mit Sauerkraut und Rösterdäpfeln, Hannah plädiert für Kartoffelpüree. Dass Sauerkraut aufzutreiben wäre, wagen wir gar nicht zu hoffen. Aber bratwurstähnliche Dinge finden wir bald, in einer der unzähligen Markt-Fleischhauereien. Nix mit Styroportassen und Frischhaltefolie, hier hängt das halbe Schwein an einem Haken von der Decke, und als Gesellschaft hat es noch ein Stück vom Kalb von nebenan. Kühlkette gibts nicht, braucht es auch nicht, denn alles, was hier hängt, wird auch heute noch verkauft und gegessen.
Ein richtiges Weihnachtsfrühstück. In Europa wären Ananas, Papayas und Maracuyas wohl erwähnenswerter, aber wir freuen uns auch über Luxusgüter wie starken Kaffee, Butter und Milch.

Am Abend besuchen wir dann Mau in der Arbeit: Ein großes American-Style Diner, vielleicht für 80 oder mehr Gäste, hell, familienfreundlich, lecker Burger. Die Biere sind so kalt wie in Mexico, beziehungsweise noch ein wenig kälter: mein Bier verwandelt sich im ebenfalls eisgekühlten Glas in ein prickelndes Sorbet. (Daraufhin veranlass Mauricio, dass die Kühlfach-Temperatur etwas nach oben korrigiert wird.)
Er will nach der Arbeit nochmal bei uns in der Wohnung vorbeischauen, aber zu der Zeit sind wir dann schon eingeschlafen..

Am 24. Dezember starten wir erstmal mit dem Großen Weihnachtsfrühstück. Dann machen wir uns nochmal auf den Weg zum Markt, diesmal stehen die Zutaten für Vanillekipferl und Butterbrötchen-Kekse am Einkaufszettel. Gar nicht so einfach, das alles zu kriegen, und ich mach die Dinger auch zum ersten Mal, aber irgendwie klappt es trotzdem ganz gut. Wir sind mit dem Resultat zufrieden, und stellen erfreut fest, dass es nicht nur uns so geht:

Am Nachmittag kommen Mauricio, seine Eltern, seine zwei Schwestern sowie zwei Cousins vorbei. Wir unterhalten uns ganz nett, und die Kekse finden großen Anklang. Irgendwann um 8 oder 9 verabschieden sich wieder alle, und ziehen weiter, um sich auf das große Mitternachtsessen vorzubereiten (das ist offenbar hier Tradition.)
Wir bleiben zurück, und machen uns an unser Abendessen. Und auch das gelingt ganz großartig. Dann gibts noch die Bescherung (sogar einen echten Christbaum gibts in dieser Luxuswohnung!), und dann fallen wir erschöpft ins Bett.
Seltsame aber nette Bescherung ein paar tausend Kilometer weit weg von zu Hause.

Geschenke zu kaufen war übrigens gar nicht einfach: Nachdem wir ohnehin schon zuviel Zeug mit uns herumschleppen, müssen sie entweder 1) wirklich leicht und unbedingt notwendig oder 2) konsumabel sein.
Deshalb bekommt Hannah zwei wunderhübsche, leichte, emaillierte Blechtassen, damit sie und eine von ihr ausgewählte Person in Zukunft nicht mehr auf die überall zu findenden Plastikbecher und -schüsseln angewiesen sind.
Ich bekomme zwei Flaschen Quetzalteca, eine Art Rum aus Xela, die eine pur, die andere mit Tamarinden-Saft geschnitten.
(Das ergibt sich sehr gut, und Hannah lädt mich auf eine Tasse ein, ich sie auf einen Rum, und alle Geschenke können gleich eingeweiht werden.)

An unseren letzten Tag in bzw. um Xela machen wir einen Ausflug zu den Fuegos Georginas, einem "Spa" mit heißen Becken, knapp unterhalb eines Vulkangipfels.
Ursprünglich wollte wir die Fuegos Georginas ja vermeiden, da der Internet-Auftritt des Ortes an ein Nobel-Etablissement denken lässt, für den wir uns nicht ganz geeignet fühlen..
Daher fahren wir mit dem Camioneta erst in den Nachbarort, wo wir feststellen, dass es zwar Schwimmbecken gibt, aber die sind kalt. Außerdem gibt es öffentlichen Badeanstalten, die bestehen aus einer Reihe von kleinen, zellenartigen Räumen, in denen man sich in ummauerten Löchern im Boden waschen kann. Ja, mit heißem Wasser aus vulkanischen Quellen, aber einladend sind diese.. Wannen, mangels eines besseren Wortes, wirklich nicht.
Schließlich geben wir auf, und fahren doch auf der Ladefläche eines Pick-ups, dessen Fahrer sich genau auf diese Dienstleistung spezialisiert hat, die schmale gewundene Straße auf den Vulkan hinauf.
Nach dem Spaziergang durch den Dschungel freuen wir uns noch mehr auf ein heißes Bad.

Vulkane sind als rekreatives Element sehr zu empfehlen.
 Es stellt sich heraus, dass das Spa wesentlich rustikaler ist als wir erwartet haben, und auch deutlich voller. Aber wir finden einen kleinen "Eco-Path", der zu zwei kleinen, versteckten Becken führen. Dort haben sich zwar auch schon an die 10 Badegäste versammelt, aber es ist noch immer ein Ort der Stille und Kontemplation im Vergleich zum Chaos und Geschrei der größeren Becken im Hauptteil.
Das Wasser ist übrigens WIRKLICH heiß dort!
Dschungel mit Reisendem.

Am nächsten Tag gehts weiter nach Chichicastenango, wo es den schönsten Markt Mittelamerikas geben soll.

Sonntag, 11. Januar 2015

Pensamientos sobre Europa

Every single day, we're hit by a big bunch of new impressions. We do travel slowly, we don't follow the "work hard, play hard (or travel hard)" philosophy, but still every single day brings something new, and sometimes it really too overwhelming to digest it all.

The blog actually helps a bit with that. It makes me pause, sort all the images (the ones on my computer as well as the ones in my head), and put them down in some kind of (sort of) coherent narrative. It helps to fix the memories in my head, refreshes some thoughts that otherwise might be lost, and allows me to sort, file, and categorize a bit the things we've experienced.

(At this point, you could interject: Dude, what are you talking about? You write about a bunch of awesome landscapes, not spiritual relevations. I would reply, using the words of our Spanish teacher: "Si, y no. I don't write everything, and for me, there are a lot more memories stored between the lines of text that obviously only I can read.")

If I would have to draw a conclusion today, it would definitely include two themes that we can observe practically every single day:
First, how terrible the political systems are in the countries we are travelling. It's still (mostly) safe to travel and live here(1), but that is pretty much the only positive thing to say about the governments around here. (Okay, at least that's my resumee for Mexico and Guatemala. Cuba is a bit more complex than that.)
Secondly, how (amazingly well) the people here cope with the situation. Local people so far have been polite in the worst case, and welcoming, curious, open-minded, warm-hearted and inviting in the best case. And we have seen a lot more best than worst cases until now.

Of course, I try to translate both to situations in Europe. I can't help it, it still is "home" and my mind's reference point.

Concerning the goverment situations, one might be tempted to say "Thank goodness our governments aren't as bad as around here."
Hell, no! Instead, I will continue to bitch about the situation in Europe, and add: "We bloody well have to take care that "our" political systems don't slide down the slippery slope they are currently on, and become something even worse than here.. Worse, because in Europe, they wield a lot more power than around here."
When it comes to people, I'm even more tempted to start screaming. Back home we have a situation where an overwhelming percentage of the population is living is something that would be considered by many people around here as "utter bliss." (I know, I generalize, and there are a lot of things going horribly wrong back home as well, but still.. Admit it, you wouldn't want to swap.)
And yet, in almost all European countries, the general feeling seems to drift more and more towards rightwing xenophobic sentiment, and blame the decline we're on on the people who do the bone-crushing jobs in construction, care for our elders, or sell us Kebabs or Shawarma (or whatever imported delicacy you want)! Bloody friggin' hell!

We are currently staying in San Pedro La Laguna, a medium-sized village with an estimated "foreigner" percentage of.. let's say, 30%. Maybe a bit less, maybe more.. Sometimes it even feels like 80%.
What do people do here? Run around scared, sh***ing their pants because they are afaid that they might lose their culture because of all the nasty people from abroad? Hell, no! They stand proud and tall(2), and welcome everyone who likes to come, with open arms and open hearts, and SHARE. They seem to to realize intuitively that "culture" is one of the resources that doesn't decrease, but instead grows, when you share it with others.

Okay, enough ranting. I do realize that only the wrong people will read this, in the sense that I expect my highly revered audience to be just what I want everyone in Europe to be: Tolerant, open-minded, inviting..

San Marcos La Laguna (Lago Atitlan 1)

We are a little bit excited when the voyage starts - again. At 7 o'clock in the morning the shuttle picks us up, and an uneventful journey of around 3 hours takes us to a border town into Guatemala. 

The big mystery (do we have to pay 350 Mexican pesos when we leave the country?) is finally solved (no, we don't, because we arrived prior to the 4th of November. Everyone after that date has to pay the fee. Alright.) For a fee of 5 Quetzales (ca. 0.50 Euros), we get our stamps and the permission to travel in Guatemala for 90 days. We unload our backpacks, lug it to the next microbus, and jump aboard for the next half of the journey. 

The Guatemalan roads don't have topes (speed bumps in Mexico), but tumulos (speed bumps). Apart from that, the roads are narrower, curvier, but in general okay. We still arrive in Panachajel only when it starts to get dark. 

We quickly make our way down to the docks and board one of the lanchas, which are small motorboats for around 20 passengers and the common public transport on Lago Atitlan.
For 25 Quetzales, the capitán takes us to several small villages along to lake shore, and finally to San Marcos La Laguna, where we have decided to stay for the next couple of days.


Lago Atitlan, at an elevation of 1500 meters, and surrounded by the tree-covered cones of three volcanoes, really really is beautiful.
San Marcos, one of the smaller villages at the lakeside, with it's tiny footpaths, lush vegetation all throughout the settlement, and the variety of cafés, restaurants, gardens, and meditation centres, is charming, too.
Although we are close to high season, we manage to find an affordable room, get a hot meal, and fall into our beds (11 hours of bus- and boat-ride are tiring indeed.)

Hamock view from our second hostel in San Marcos
Stairs to our room. Beautiful!

On the next morning, after a breakfast of porridge and pancakes, we set out to explore. And well.. despite the fact that the village is nice and all, it's.. odd. The first place upon arrival of the dock you can see (with a large sign) is the Posada Schumann. Doesn't sound like a Guatemaltecan name? That's because it isn't. After walking for a while, we found that actually all of the "nice" spots close to the lakeside seemed to be owned by either Europeans or US-American citizens. Many of them teach Indian meditation techniques or other spiritual disciplines from even further-away lands.
I feel quite ashamed to be so cynical, but I can't help myself. So.. what the heck? Loud and raucous party tourists that blindly ignore local customs are bad enough, but to me it seems even more hypocritical to preach universal peace and harmony while stealing the best bits of land.
(Well, okay, buying, for an amount of money that can't be refused by the local landowners but is still close to nothing by European standards. To elaborate: Right now, I could afford a private flat in Vienna with a size of 2 square metres (yes, two. Not more.), or a property with a small house, a storage shed, two outdoor pools as well as bathroom facilities for spa guests, plus around 500 m² of lush garden that is currently for sale in San Marcos.)
How can I even start to think about uniting my spiritual self with the transcendent light of the stars (or whatever. I'm sorry, I have not clue at all about this, and I would like to learn eventually. But definitely not here!) when I'm creating a small foreign colony based on unequality and financial violence? 
Hell, people aren't even trying to speak Spanish in the streets (yes, also Spanish is a language introduced by ursurping conquistadores here, but at least it's spoken and understood by all local people nowadays), but instead English seems to be the universal language. And they speak in English of Light, Peace, Harmony and Love, while the little local girl that probably should be in school right now is selling them a cup of freshly squeezed organic orange juice.

What I do enjoy about this village is my water-line spot, which I find on the  second day here. After that, slacklining in the lake is my fixed morning programme, and I can feel some of the village's special spiritually soothing atmosphere creep back into my wretched soul. No honestly, I just enjoy slacklining a lot. 
(I'm sure someone, somewhere can teach me some kind of Yoga that I can do on a slackline, and I will be very happy indeed. But again, no-one from this colony, please.)

Also, on the second day we find a locally-owned and -run hostel. We are content.

Heroic man and his slackline. Okay, sorry, couldn't help it and had to pose a bit.


A little bit outside downtown San Marcos.


For some reason, Hannah starts giggling every time she sees that phot and calls me "Goofey". It is, in fact, a photograph of me walking downhill, with a slope of roughly 8 degrees.
An excursion to San Pedro La Laguna, the second-biggest town on the lake after Panajachel, reveals a different mix. Party tourists stick to run-down but cosy beachside-bars, hardcore travellers sell their jewelry and juggling prowess on the streets, and in between local life continues, only maybe a bit wealthier, because these Gringos sure do spend a lot of money. But it feels.. well mixed, in a much healthier way than back in San Marcos.
And we find a Spanish school (it's actually hard not to stumble upon one in San Pedro, because there are many!), locally run as all of them are, with teachers from the San Pedro or the villages around. This one is special only because the little tables for the classes (only one-on-one classes, exceptionally two pupils to one teacher in our case possible) are beautifully set in a garden right next to the lake. A classroom can't get much better than this.


Camionetas in San Pedro ready for some action. Just because they are over 20 years old, it doesn't mean they can't hurl over Guatemaltecan roads at neckbreaking speed.

Wall paintings in San Pedro: Classical maize farming...


... and genetically modified crops. The local way to say: Screw you, Monsanto & co.

One of the busier roads in San Marcos.

Mountains and maize.

Due to torrential rains a few years ago, the water level of Lago Atitlan rose about 3 meters. People around here seem to be used to catastrophes, life just goes on.
So our new plan looks like this: We travel to Xela for Christmas, and then return to San Pedro for one week of intensive (4 hours per day) Spanish classes.
With this resolution we head back to San Marcos, pack our bags, and head over the lake to Panajachel to board our very first camioneta (popularly known as "chicken buses" among Gringos) to Xela.

Tuk-tuk, camioneta, Hannah, very fresh fruit. Happy combination.


Samstag, 10. Januar 2015

San Cristobal de la Casas

Ein kurzer Rückblick: Vor unseren Abenteuern in Tuxtla kommen wir nach dem Ausflug zu den Ruinen von Palenque, Misol-Ha und Agua Azul noch am Abend in San Cristobal de las Casas an.
Was heißt Abend: wir steigen nach einer stundenlangen Fahrt um ca. 10 Uhr Nachts am Hauptplatz aus. Und, wir wussten es schon, haben es aber bis gerade noch nicht gefühlt: San Cristobal liegt auf ca. 1900 Metern überm Meer, und es wird wirklich verdammt kalt hier in der Nacht!
Wir stehen mit unseren Sandalen, Leinenhosen und T-Shirts da und frieren. Zum Glück haben wir unsere schweren Rucksäcke zu schleppen, so dass uns auf der Suche nach einem Hostel wieder warm wird. Zumindest ein bisschen. Am Rücken.

Wir finden schließlich auch das recht heimelige Hostal Tata Inti. Wir haben noch drei Tage, um die Stadt ein wenig zu erkunden, bevor wir tatsächlich das erste Mal als Volunteers in einem anderen Hostel aushelfen können.

Am nächsten Tag zeigt sich die Stadt auch gleich von ihrer freundlichsten Seite: Es wird wieder warm, genaugenommen wolkenlos sonnig, und wir spazieren wieder in kurzärmeligen T-Shirts (allerdings mit geschlossenen Schuhen, und dicken Fleeze-Jacken im Rucksack für später) durch die Altstadt.

Blick auf San Cristobal de las Casas und die Guadalupe-Kirche
Die alte Kolonialstadt liegt malerisch in einem Tal zwischen rundherum aufragenden Bergen, mit dem obligatorischen Plaza Central, unzähligen Kirchen (zwei davon thronen auf Hügeln innerhalb der Stadt), drei großen, teilweise überdachten Märkten und einer großen, Auto-freien Flanier-Straße (die Real de Guadelupe), die nicht nur voll mit Touristen, sondern auch mit Langzeit-Reisenden, die alle möglichen, teils recht kreativen, Waren feilbieten, und so dem Trubel aus Restaurants, Bars, Cafés, Heiße-Schokolade-Läden und Souvenir-Shops noch etliche bunte Facetten hinzufügen.

Die bunten Fähnchen auf der Real de Guadalupe dienen uns in den ersten Tagen als Orientierungshilfe.
Nach der Erkundung der Real de Guadelupe entdecken wir die Märkte für uns. Der "Mercado de Dulces", etwas südlich des Hauptplatzes bietet auf zahllosen Ständen sämtliche Süßigkeiten der Region an. Wir etablieren sehr rasch die Tradition, dass wir (mindestens) einmal täglich vorbeispazieren, um eine neue Süßspeise zu probieren, sowie eine zweite zu kaufen, die den bis dahin etablierten Favoriten-Platz einnimmt.

Der Aufstieg zur Kirche Santo Domingo entpuppt sich als ein wenig enttäuschend, zumindest was die Aussicht angeht.

Nachdem wir die Stiegen erklommen haben, stellt sich heraus, dass der Ausblick durch die prächtig gedeihenden Bäume etwas eingeschränkt ist.
Zusätzlich vergesse ich, mir die Koordinaten für einen GeoCache auf diesem Hügel bei unserem ersten (und einzigen) Besuch dort aufzuschreiben. Erst später, nämlich erst während der Fahrt zur Grenze von Guatemala, fällt mir ein, dass das meine Chance gewesen wäre, einen GeoCache in Mexico zu heben. Verdammt!


Es fahren so viele T2s aus Brasilien herum, dass die Leute die seltsamsten Dinge damit anstellen.

Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle bleiben, dass sich ganz Mexico im Allgemeinen, und San Cristobal im Besonderen, auf die Feierlichkeiten der Virgen de Guadalupe vorbereiten, die mit allem Pomp und Trara am 12. Dezember stattfindet.
Wie sieht so eine Vorbereitung aus? Eine heilige Jungfrau will gehörig gefeiert werden, und das besteht vor allem darin, dass bereits zwei Wochen vor dem Stichtag angefangen wird, wie wild mit Böllern zu schießen. Die kleineren werden wie bei uns wahllos in Straßen entzündet, die großen allerdings sind an Raketen gekoppelt, da die Explosionen bodennahe doch zu erheblicher Zerstörung führen könnten.
Und wann hört die Heilige gerne Böller-Gekrache? Na, immer! Begonnen wird damit ca. um 5 Uhr morgens (ich vermute, dass das irgendwie mit einer Frühmesse zu tun hat), und geht relativ kontinuierlich bis 11 Uhr nachts dahin. Anfangs in ca. 15-Minuten-Intervallen, später, je näher der 12. Dezember rückt, werden die Intervalle immer kürzer. Zeitweise ist der vormals wolkenlose Himmel dermaßen mit Pulver-Nebel bedeckt, dass man unweigerlich an schweres FLAK-Feuer denken muss. Klingt auch so.



Eine der unzähligen Paraden auf der Real de Guadalupe.

Zu den etwas erbaulicheren Begleiterscheinungen der Verehrung der Jungfrau von Guadalupe sind die Paraden, von den täglich mehrere stattfinden, und zumindest manchmal ganz amüsant anzusehen sind.
Das wahre Tohuwabohu bricht aber erst am Abend des 12. Dezember aus, als die gesamte Gegend um die Kirchte der Guadalupe in einem Kirtag aus 1-Liter-Michelada-Bechern, frittiertem Straßen-Essen, dubiosen Schießbuden, quäkenden Karussels und ähnlichem Treiben explodiert. Mir ist das Ganze an dem Abend zu viel, Hannah aber wagt sich in des Getöse hinein.



Auch eine Eislaufhalle ist für die Weihnachtsfeiertage aufgebaut worden.
Etwas vertrauter, hier aber recht deplaziert wirkt der am Hauptplatz aufgebaute Tannenbaum (da unecht perfekt kegelförmig, umgeben von großen, leeren, und vermutlich firmengesponserten Hochglanz-Geschenkpäckchen), die Pseudo-Schi-oder-Rodelrampe daneben (wir sehen sie kein einziges mal in Betrieb.) und ein bisschen auch die temporäre Eislaufhalle, auf der wie überall auf der Welt Jugendliche zu Popmusik mehr oder minder grazil über die Eisfläche schaben.


Der Arco Torre. Selbst wenn man es wollte (und warum sollte man das wollen?!), könnte man ihn nicht photographieren, ohne irgendwo einen VW Käfer im Bild zu haben.
Eine kurze Erwähnung verdienen vielleicht auch noch die Fahrzeuge, die man hier mit zunehmender Häufigkeit erblickt: Kleine Pickups, die mit viel Chrom, Glitzer, und blinkenden Lichtern aufgepimpt sind, und stets mit Sprüchen wie "Jesus ist mein Hirte" oder "Gott beschützt diesen Wagen" komplettiert werden.
Am meisten irritieren mich die Kleinlaster, deren gesamte Windschutzscheibe mit dem Schriftzug "Dios me guia" (also: Gott leitet mich) bedeckt ist, bzw. davon intransparent gemacht wird.
Lieber Fahrer dieses Vehikels, meinst du nicht auch, dass es, unter Umständen, deine Kompetenz als Chauffeur untergraben könnte, wenn du die Fortbewegungsrichtung deines Gefährts so ganz und gar Gott alleine überlässt, aus dem banalen Grund, dass du bei den ganzen Aufklebern gar nichts mehr sehen kannst?!?

Die Santo-Domingo-Kirche, davor eines der Fahrzeuge, die ich für mich Jesus-Bomber getauft habe.

Unsre erste Volunteering-Erfahrung

Genaugenommen sind wir ja nicht nur einfach so in San Cristobal herumspaziert, sondern haben hier das erste Mal als Volunteers gearbeitet. Die Leute vom Hostal El Nagual haben uns bereits vor einigen Tagen zurückgeschrieben, sich ausgesprochen nett angehört, und so stapfen wir am zweiten Tag unseres Aufenthaltes dort vorbei, um uns mal vorzustellen.
Von den beiden "Chefs" begrüßt uns David, der zweite der beiden, Fernando, hat an dem Tag gerade frei. Unser erster, per Email entstandener, Eindruck bestätigt sich: Ja, der ist wirklich ganz entspannt, freundlich, und scheint selbst ein bisschen zu staunen, wie sehr sein Hostel floriert.
Das liegt unter anderem auch an den Bewohnern, von denen einige schon mehr als einen Monat da sind. Im Innenhof wird musiziert, gemalt, gefeilt, Schmuck gebogen, gelötet, oder emailliert, gelesen, geschrieben, gezeichnet, und auch eine Tätowiererin hat ihre temporäre Werkstatt in einem der Zimmer aufgemacht. Der ganze Ort pulsiert richtig vor lauter Kreativität.
Tags darauf beginnt dann unser Dienst. Fürs ersten helfen wir dabei, das Hostel für den kommenden Ansturm von Gästen in der High Season rund um Weihnachten und Neujahr fit zu machen. Die Arbeit besteht also überwiegend malen bzw. kalken, sowie einige Möbel mit Öl einzulassen. Da es eine ganze Reihe Zimmer gibt, deren Wände frische Farbe möchten, bleibt es auch bei dieser Beschäftigung in den ersten Tagen.
Nach unserer Rückkehr von unserem Tuxtla-Ausflug kommt auch die "reguläre" Hostel-Arbeit dazu, also Putzen, Zusammenräumen, Betten machen, Wäsche waschen, und natürlich die Rezeption besetzen.
Fernando oder David sind jeden Tag einige Zeit da, in der wir sie mit allfälligen Fragen löchern können. Flor, eine Langzeit-Bewohnerin, die auch mitarbeitet, kennt das Hostel in- und auswendig, so dass eigentlich immer jemand da ist, wenn uns irgendetwas unklar ist.
All das beschäftigt uns meistens für die festgelegten 4 Stunden pro Tag, manchmal auch ein bisschen weniger. Um so mehr Zeit also zum Lesen, Kochen, Spazieren, und dergleichen.
Die anderen Volunteers wechseln während der Zeit, in der wir da sind: Am Anfang sinds je ein ein russisches und ein französisches Paar, mit denen wir uns ganz ausgezeichnet verstehen, ab der zweiten Woche dann zwei spanische Pärchen, mit denen wir uns bald einig sind, dass Wände streichen nicht die kurzweiligste aller Tätigkeiten sind.
Das einzige, was mich ein bisschen stört, ist, dass uns ein wenig der Anschluss zu den spanisch-sprachigen Langzeit-Bewohnern fehlt. Das Hostel ist absteige von vielen südamerikanischen Reisenden, am prominentesten davon die allzeit Mate-trinkenden Argentinierinnen und Argentinier. Unser Spanisch ist leider doch noch zu holperig, um einer Konversation in normaler Geschwindigkeit zu folgen, bzw. ohne ähs und öhs mitten im Satz zu antworten. Das ist natürlich in geselliger Runde Abends ein wenig lästig, aber wir finden uns trotzdem immer wieder Leute, mit denen wir uns auch flüssig (also auf Englisch oder Deutsch) unterhalten können. Am kuriosesten war da zum Beispiel der Grieche, der Germanistik studiert und gerade ein Auslandssemester in Mexico macht.

Insgesamt eine äußerst positive erste Volunteering-Erfahrung, eine die Lust auf mehr macht. (Was ich Hannah verschwiegen habe: ich hab schon geschaut, ob es in Island auch Volunteering-Plätze gibt. Ja, gibt es, massenhaft! Die nächste Reise beginnt langsam, in meinem Kopf Form anzunehmen. Aber da hab ich ja noch ein bisschen Zeit...)

Ausflug nach Chamula

Wir genießen die Zeit in San Cristobal überwiegend in der Stadt selbst, mit Spaziergängen, den bereits erwähnten Experimenten im Süßigkeiten-Markt, einen Kino-Besuch ("Die letzten Zapatistas"), genüsslichem Kochen im Hostel, einem Film-Abend, und dergleichen "Alltag" mehr.
Einen wichtigen Ausflug in die nähere Umgebung lassen wir aber nicht aus: Eine Halb-Tagestour nach Chamula.

Der Ort ist vor allem wegen seiner Kirche bekannt: Aus San Juan Chamula wurden nicht nur die Kirchenbänke rausgeworfen, sondern der Pfarrer gleich dazu. Jetzt wird dort ein eigenartiger Kult gepflegt, der eine Mischung aus katholischer Heiligenverehrung sowie lokaler Maya-Tradition ist.
Da wir bereits aus mehreren Quelle gelesen bzw. gehört haben, dass die hiesige Bevölkerung es WIRKLICH nicht mag, wenn man photographiert, beschränken wir uns dabei auf ein verstohlenes Minimum.

In der Kirche selbst ist das wirklich schade, wir hätten gerne zumindest ansatzweise versucht, diese ganz und gar eigene Atmosphäre einzufangen.
(Die Berichte, was die Konsequenzen unerlaubten Photographierens angeht, divergieren. Angefangen mit bösen Blicken, Konfiszierung der Kamera, aber auch bis zu Verprügeln und aus-dem-Dorf-Werfen habe ich alles gehört.)

Cementerio de San Sebastián.
Der Boden ist mit Piniennadeln bedeckt, und an beiden Wänden links und rechts sind Schreine mit diversen Heiligen aufgestellt, alle mit einer nahezu lebensgroßen Statue, die in echt Gewänder gehüllt sind. Um jeden Schrein herum ranken sich Girlanden aus Blumen und Früchten, vor jedem finden sich noch Dutzende Vasen mit mehr Blumen, und davor steht ein kleines Meer aus Kerzen.

Die Luft duftet nach den frischen Piniennadeln, aber auch dem Räucherwerk, das abgebrannt wird. Mehrere Grüppchen Betender sitzen am Boden, halblaut Gebete vor sich hin murmelnd. Auch wenn ich die Worte überhaupt nicht verstehe, klingt es, als würde ein Mantra immer wieder wiederholt werden. Vor den Leuten am Boden stehen einige schlanke Kerzen, in verschiedenen Farben, die jeweils eine eigene Bedeutung haben.
(Wenn ich wage, eine Erklärung aus Guatemala auf Chamula zu übertragen, steht Weiß für die Wolken oder den Himmel, Gelb für den Mais, Grün für die Natur, Rot für das Blut oder das Leben, Schwarz für den Tod, und Blau für das Wasser. Die Zusammenstellung von mehreren bunten Kerzen erlaubt beliebig komplexe Interpretationen, die die Zeremonienmeister in der Kirche den Bittenden erläutern bzw. vorgeben.)
Eine betende Familie nimmt einige Züge Pox (gesprochen "Posch", ein hier selbstgebrannter Zuckerrohrschnaps), und reibt das Baby damit ein, dem offenbar die Zeremonie gilt, die wir beobachten können. Niemand opfert ein Huhn, was aber angeblich auch nicht zu selten vorkommt.


Die festlich geschmückte Iglesia San Juan Chamula. Wir wurden nicht beim Photographieren erwischt.
Vor der Kirche werden wir noch Zeugen einer kleiner.. Prozession? Die Bedeutung oder der Zweck bleibt uns leider verborgen, und nach einiger Zeit seltsam monotoner Musik zerstreuen sich die Teilnehmer. Wir bleiben zurück, und fühlen uns sehr weit weg von allem, was uns bekannt und vertraut erscheint.

Am Rückweg zur Bushaltestelle können wir aber nicht widerstehen, nach einem Geschäft zu fragen, das Pox verkauft. Es wird nicht nur zu Zeremonien in der Kirche verwendet, sondern auch sonst gerne getrunken, wahlweise pur oder mit Früchten zu einer Art Likör angesetzt. Nach einigem Herumfragen finden wir endlich den richtigen Ort ("Dort, wo der Mann in schwarzer Lederjacke davor herumhängt." Hm...), und treten in einen Raum, der bis auf fünf große Plastikfässer und mehrere Plastikkanister leer ist. Durch einen Vorhang tritt ein Mann zu uns, und fragt uns gleich: Wieviel Liter? Bestürzt fragen wir, ob er auch Halbliter-Gefäße hat, und ein kleiner Junge wird losgeschickt, um leere Coca-Cola-Plastikflaschen zu holen. Inzwischen dürfen wir mal "probieren", in Portionen, die eigentlich schon vom Anschauen betrunken machen. Solange wir noch gehen können, entscheiden wir uns für eine Flasche puren Pox, und eine mit Fruchtsaft, der an Tamarinden erinnert, aber nicht ist. (Den richtigen Namen dafür haben wir sofort wieder vergessen, weil er uns derartig fremd ist.)
Ein erfolgreicher Tag, von dessen (flüssigen) Früchten wir noch viele Abende im Hostel zehren können.

Bereit für die Weiterreise

Nach fast drei Wochen ist die Zeit zur Weiterreise gekommen. Wir spazieren noch einmal durch die Stadt, vergessen wieder, mehr Photos zu machen, und freuen uns, dass Ivan noch einmal Zeit hat. Diesmal besucht er uns in San Cris, und fährt mit uns zu Las Grutas, einer Art Naherholungsgebiet im Wand ein bisschen außerhalb der Stadt.

Mein Lieblingskunstwerk an einer nahen Straßenecke in San Cristobal.
Ivan bringt einige Steaks mit (und was für welche! Deliziös!), Hannah treibt Kohle, Holz und Gemüse auf. Ich nehme meine nagelneue Slackline mit, die per UPS erstaunlich schnell im Hostel angekommen ist, allen pessimistischen Vorhersagen zum Trotz. Einem Grillgelage steht nichts mehr im Wege.

Eine großartige Abschiedsgrillerei, mit Slackline-Session. Was will man mehr?
Nachdem wir geschlemmt und geslackt haben, plaudern wir noch bis zum Einbrucht der Dunkelheit. Dann müssen wir zurück in Hostel, endlich wieder unsere Rucksäcke packen.
Am nächsten Morgen holt uns ein Minibus ab, den Fernando für uns organisiert hat, und uns direkt nach Panachajel am Lago Atitlan in Guatemala bringt.
Leb wohl, San Cristobal de las Casas! Kein Wunder, dass so viele Reisende hier so lange hängenbleiben.. Manche sogar ein ganzes Leben lang.